Neue Märkte: Die Börsen-Champions der Zukunft

Neue Märkte
Die Börsen-Champions der Zukunft

Die großen Schwellenländer sind keine Geheimtipps mehr. Stattdessen rücken neue Märkte wie Indonesien, Argentinien oder Kenia in den Fokus. Wie Anleger mit Mut zum Risiko in die aufstrebenden Länder investieren.

Tag für Tag wälzt sich eine gewaltige Blechlawine über Jakartas Straßen. Allein auf der inneren Ringstraße, einer Autobahn um das Zentrum der indonesischen Hauptstadt, stauen sich täglich über 570.000 Autos. Dem 30 Millionen Menschen zählenden Ballungsraum droht der Kollaps. In Jakarta stinkt’s zum Himmel – und dennoch lässt die Stadt täglich 8000 neue Fahrzeuge auf die Straßen.

Das freut die Manager von Jasa Marga. Der Dienstleister aus Jakarta ist Indonesiens größter Betreiber von Mautstraßen – ein Boom-Geschäft, auf Jahre hinaus. Das Unternehmen wächst zweistellig und setzte 2012 umgerechnet rund eine halbe Milliarde Euro an seinen Mauthäuschen um. Im laufenden Jahr will Jasa Marga 370 Millionen Euro investieren. In neue Mautstraßen und in elektronische Bezahlsysteme, die den Personaleinsatz senken und die Profitabilität steigern helfen. Die Aktie ist in Frankfurt gelistet, steckt aber auch in vielen Fonds, etwa im Allianz Indonesia Equity.

China enttäuscht Anleger

Anleger, die es wagten, außerhalb der etablierten Börsen zu investieren, setzten in den vergangenen Jahren auf Brasilien, Russland, Indien und China. Diese BRIC-Börsen wurden zu globalen Wachstumslokomotiven hochgejazzt. Insbesondere China aber enttäuschte Anleger mit einer fünf Jahre andauernden Kurstalfahrt. Und nun drohen Investoren aus dem Euro-Raum auch noch Währungsverluste, weil neben dem US-Dollar auch die Währungen der großen Volkswirtschaften Asiens zum Euro immer stärker abwerten.

Wer langfristig denkt, sollte deshalb seinem Depot Werte aus den Schwellenländern der zweiten Reihe beimischen. Die "kleinen Tiger", abgestempelt mit dem Exoten-Stigma, kommen aus Südostasien, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Afrika. Im Windschatten von Kraftzentren der Weltwirtschaft finden sich dort kleinere, aber solide Wachstumsmärkte. In Malaysia etwa gibt sich die Regierung tunlichst Mühe, die Banken stabil zu halten, um konservativ zu wachsen. Mexiko profitiert von steigender Binnennachfrage und seiner Rolle als Werkbank für US-Unternehmen. Afrika schließlich schwingt sich dank einer wachsenden Mittelschicht und besserer Infrastruktur zum letzten großen Wachstumsmarkt auf, ist für Investoren aber noch ein weißer Fleck.

"Die neuen Champions kommen aus Südostasien, Nahost und Mexiko"

Wichtige Unternehmen aus diesen Ländern hat die Beratung Boston Consulting Group jüngst in ihrer Analyse der "Global Challenger" identifiziert: große Konzerne, die heute im Westen kaum jemand auf dem Radar hat, die aber die Globalisierung in den kommenden Dekaden mitgestalten werden. Zu ihnen zählen Südafrikas Mobilfunker MTN, Lufthansa-Wettbewerber Turkish Airlines oder Thailands Finanzkonzern Indorama Ventures, deren Aktien in vielen Spezialitäten-Fonds stecken.

Nikolaus Lang, Partner bei BCG, machte noch 2009 künftige Wettbewerber für den Westen zumeist in China und Indien aus. "Jetzt haben wir es mit einer regionalen Differenzierung zu tun, die neuen Champions kommen auch aus Südostasien, Nahost oder Mexiko", sagt Lang. Die Erfolgsrezepte dieser Unternehmen sind plausibel: "Sie nutzen die Nachfragestärke des Schwellenlandes zu Hause für das Wachstum, um irgendwann stark genug für den Weltmarkt zu sein", sagt Lang.

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