Neue Marktplätze
Der Run auf die Wettbörsen

Abseits der etablierten Derivatemärkte sind in den angelsächsischen Ländern neue Marktplätze entstanden, an denen Prognosen und Wetten in organisierter Form gehandelt werden. Und diese Märkte sind zum Teil bereits eng mit traditionellen Börsen verbunden.

FRANKFURT. Auf Internet-Plattformen agierende Anbieter wie HedgeStreet, Betfair, Sportsbook oder Tradesports, die in der Finanzszene teilweise belächelt werden, erfreuen sich großer Popularität. Denn diese Märkte sind zum Teil bereits eng mit traditionellen Börsen verbunden. Dies kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass zwei der führenden US-Optionsbörsen in diesem Geschäft offensichtlich eine große Zukunft sehen.

So hat sich die Chicago Board Options Exchange (CBOE) - globaler Marktführer am Markt für Aktienoptionen - eine Beteiligung an HedgeStreet gesichert. Die International Securities Exchange (ISE) in New York - eine der dynamischsten Derivatebörsen der vergangenen Jahre überhaupt - hat sich mit Mike Knesevitch für ihren Bereich „Alternative Markets“ in diesem Jahr einen Fachmann ins Boot geholt, der in der Vergangenheit bereits Vorarbeiten bei der Entwicklung von handelbaren Kontrakten auf den Ausgang bestimmter Ereignisse wie Sportveranstaltungen, Wahlen oder die Intensität der Hurrikan-Saison in den USA geleistet hat. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang auch, dass der Anbieter HedgeStreet von der US-Börsenaufsichtsbehörde reguliert wird.

Bereits seit geraumer Zeit werden darüber hinaus an der Chicago Mercantile Exchange Kontrakte gehandelt, die Prognosen auf bestimmte US-Konjunkturdaten darstellen. Während die US-Verantwortlichen das Potenzial dieser Märkte erkennen und sich auch Großbritannien dieser Idee gegenüber aufgeschlossen zeigt, ist in den Ländern Westeuropas ein Meinungsstreit über solche Prognosebörsen ausgebrochen.

Dies ist auch auf die aktuellen Diskussionen um das staatliche Wettmonopol in Deutschland zurückzuführen. Gegner dieser Internet-Handelsplattformen führen unter anderem ethisch-moralische Bedenken ins Feld. Auch in der Wissenschaft scheiden sich die Geister der Experten.

Während die eine Seite die Gefahr der Förderungen der Spielsucht bei den Anwendern betont, sagt Michael Mainelli, Wirtschafts-Professor am Gresham College in London: „Auch der Aktienkauf ist nichts anderes als eine Wette.“ Der Aktienkäufer gehe eine Wette gegen den ehemaligen Aktienbesitzer ein.

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