Neue Strategie
Geteilte Meinungen zu Praktiker

Billig und Premium passen nicht zusammen – glauben zumindest viele Verbraucher. Die Baumarktkette Praktiker will beweisen, dass es doch geht. Nach der Übernahme von Max Bahr fährt das Unternehmen zweigleisig: Während die Praktiker-Märkte mit Rabatten und Tiefpreisen werben, sollen die Max Bahr-Märkte im Premiumsegment agieren. Ob die Strategie aufgeht, wird sich zeigen.

FRANKFURT. Die Meinungen der Analysten zur Praktiker-Aktie gehen momentan weit auseinander. 15 Analysten haben nach Auskunft des Brancheninformationsdienstes Bloomberg das Papier in den vergangenen zwei Monaten bewertet. Rund 40 Prozent empfehlen die Aktie zum Kauf, ein Drittel spricht sich dafür aus, sie zu halten. Rund ein Viertel rät zum Verkauf.

Der Handelskonzern Metro brachte seine Tochter Praktiker erst vor eineinhalb Jahren an die Börse. Der Börsengang verlief eher unglücklich, Metro musste den Preis senken und den Börsengang um einige Tage verschieben. Nach den Anlaufschwierigkeiten stieg Praktiker im März 2006 in den MDax auf. Vor allem in den vergangenen Monaten war der Kurs starken Schwankungen unterworfen. Unsicherheiten wegen der Max Bahr-Übernahme sowie der Umsetzung des neuen Marktkonzeptes waren die Hauptgründe. Der Kurs der Aktie werde sich jedoch etwas beruhigen, sagt Christoph Schlienkamp, Analyst des Bankhauses Lampe.

Praktiker ist mit knappem Abstand nach Obi die Nummer zwei auf dem hart umkämpften, stark zersplitterten deutschen Markt. Der Branchenumsatz ist in den vergangenen Jahren kaum gestiegen. Praktiker kann Experten zufolge in Deutschland wohl nur durch Zukäufe wachsen, im Ausland, speziell in Osteuropa, ist das dagegen auch mit der Eröffnung weiterer eigener Märkte möglich.

Doch dass Praktiker in den nächsten Monaten große Neuerwerbungen plant, ist unwahrscheinlich. Die ehemalige Metro-Tochter muss zunächst den Kauf von Max Bahr verdauen. Und die Integration ist teuer. Auch deshalb dürfte das Ergebnis der Baumarktkette in diesem Jahr wohl stagnieren, sagt Wolfgang Vasterling, Analyst der Nord LB. Erst im nächsten Jahr werde es besser ausfallen.

Dann könnten Praktiker auch die Effekte seiner Umstellung auf das so genannte „easy-to-shop“-Prinzip zugute kommen. Praktiker strafft und verkleinert das Sortiment und verspricht dem Kunden so eine größere Übersichtlichkeit. Nur noch etwa vier Fünftel der bisherigen Artikel sollen künftig in den Regalen der Märkte stehen. Allerdings hängt der Erfolg stark davon ab, ob die Verbraucher das neue Konzept akzeptieren.

Nach der Max-Bahr-Übernahme und der damit zusammenhängenden neuen strategischen Ausrichtung positioniert sich Praktiker nun in zwei höchst unterschiedlichen Segmenten. Bei den Stamm-Häusern wirbt die Baumarktkette aggressiv mit seinen Rabattaktionen („20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung“).

Die Zwei-Marken-Strategie macht Schlienkamp jedoch skeptisch. Es sei noch nicht klar, ob die Synergien der beiden ausreichend seien, sagt er. Das wird sich in den nächsten Quartalen zeigen. Momentan empfiehlt Schlienkamp das Papier zum Verkauf. Sein Kursziel beträgt 28 Euro, das Papier notiert derzeit knapp unter 32 Euro.

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