Neue Studie
Sparer fürchten um ihr Geld

Das Vertrauen der Deutschen in ihre Hausbank sinkt und sinkt. Aber auch andernorts in Europa trauen die Bankkunden den Finanzkonzernen nicht mehr über den Weg. Und dafür gibt es viele Gründe.
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DüsseldorfDie Loyalität der Sparer zu ihrer Hausbank sinkt rapide. Zu diesem Ergebnis kommt die Beratungsgesellschaft Ernst & Young in ihrer aktuellen Studie, dem sogenannten „Global Consumer Banking Survey 2012“. Insgesamt wurden in Deutschland 1003 Bankkunden befragt, weltweit waren es 28.531.

Rund 58 Prozent gaben an, dass ihr Vertrauen in die Bankenbranche in den vergangenen zwölf Monaten gesunken sei; lediglich fünf Prozent sagten, es sei gestiegen. Die Gründe für das sinkende Vertrauen sind vielfältig.

Allein 56 Prozent sind unzufrieden mit den Millionen-Gehältern in der Branche. Sie ärgert vor allem, dass viele Institute während der Finanzkrise mit staatlichen Hilfen gerettet wurden – und damit letztlich von den Steuerzahlern.  

Viele Deutsche fürchten zudem, dass sich die Schuldenkrise in Europa massiv auf die Banken auswirken werde. Rund 55 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen vor allem das makroökonomische Umfeld, also die konjunkturelle Lage in Deutschland Sorgen bereite. Zwar ist die Situation hierzulande deutlich stabiler als in den südeuropäischen Ländern. Viele Menschen sind allerdings davon überzeugt, dass die Krise in Spanien, Italien oder Griechenland in nicht allzu ferner Zukunft auch deutlich auf die deutsche Ökonomie durchschlagen werde.

Die ersten Hinweise darauf hat es in den vergangenen Tagen bereits gegeben. So waren der vielbeachtete Konjunkturindex des Münchener Ifo-Institutes sowie der Index der Konjunkturerwartungen des ZEW in Mannheim für Deutschland deutlich schlechter ausgefallen als erwartet.
Am Ende, so fürchten die Deutschen, könnte die Krise auch Auswirkungen auf die Sicherheit ihrer Sparguthaben haben. 37 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nur geringes Vertrauen haben in die Sicherheit ihrer Bankeinlagen.

Die Deutschen sind nicht allein mit ihren Sorgen. Überall in Europa schwindet das Vertrauen der Menschen in die Banken. In Spanien etwa gaben 76 Prozent der Befragten an, den Banken nicht über den Weg zu trauen. In Italien und Belgien waren es immerhin 72 Prozent. Frankreich kommt wie Deutschland auf ein Misstrauensvotum von immerhin 58 Prozent. Das Schlusslicht ist, wie sollte es anders sein, Griechenland. 80 Prozent der Griechen haben kein Vertrauen ihre Geldhäuser.

Weiter im Osten hat die Finanzbranche dagegen noch einen deutlichen besseren Ruf. In Indien etwa. 72 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Vertrauen in die heimischen Banken in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen ist. In China behaupteten das 31 Prozent, in Russland 36 Prozent.

 

 

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
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Kommentare zu " Neue Studie: Sparer fürchten um ihr Geld"

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  • Die Banken sind Geldverleiher. Die Banken, die Staaten Geld geliehen haben - zu Minimargen, da seinerzeit quasi als Null Risiko betrachtet - , gucken dümmlich aus der Wäsche, weil die Schuldner flugs die Spielregeln geändert haben! Wie sollen die Banken also bitte die gewaltigen Abschreibungen auf die an Staaten verliehenen Gelder schultern? Wenn sie gleichzeitig dank Regulierung (Basel III) und trotz höherer Steuerbelastung (Bankenabgabe) ihr Eigenkapital erhöhen sollen?

  • EINFACH UNGLAUBLICH

    Man lese den fragwürdiigen Brandbrief des Herrn Keitels seines Zeichen Vorsitzender des einflussreichsten Wirtschaftsverbandes unseres Landes (BDI) in der WiWo.
    Der behauptet doch forsch: zitiere „Die langfristige Sicherung der Währungsunion liegt im elementaren Interesse jedes Einzelnen von uns“ ignoriert also völlig, die Tatsache, dass der Deutsche Steuerzahler diese "langfristige Sicherung der Währungsunion" teuer zu bezahlen hat und will uns dann auch noch erzählen, dass dies "im elementaren Interesse jedes Einzelnen von uns" läge; das ist an Dreistigkeit wohl kaum zu überbieten. Egoistische Interessenpolitik zu Gunsten der Exportindustrie in reinster Form. Hier der Link:
    http://www.wiwo.de/unternehmen/mittelstand/offener-brief-euro-rettung-spaltet-die-deutsche-wirtschaft/v_detail_tab_comments/6794718.html?ajaxelementid=%23mailAuthView&pageNumber=0

    Wenn man sich dann das Geschwafel eines Herrn Augstein in dessen Kolumne beim SPON reinwürgt; zitiere: Was Merkel jetzt machen muss; Europa oder nichts - das muss der Schlachtruf der Kanzlerin sein. Angela Merkel muss jetzt für die EU kämpfen, auch gegen den Widerstand in der eigenen Partei und bei den Wählern. Selbst wenn es die CDU-Chefin das Amt kosten könnte..... Merkel muss die europäische Integration beschleunigen. Jetzt. Sofort. Sie muss das widerspenstige Volk und die zögerliche Partei hinter sich sammeln. Ihr Schlachtruf muss sein: Europa oder nichts!“
    dann wird klar, welche Kräfte, da in Deutschland am Werk sind. Hier der Link:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-was-angela-merkel-jetzt-machen-muss-a-840717.html

  • @ihr
    Das ist so nicht richtig.
    Neuer Artikel in der Süddeutschen:
    Zitiere:
    "Mainstream-Politik und -Wissenschaft taten so, als stünde im Artikel 20 Absatz 2 nur etwas von Wahlen. Aber da steht mehr. Auf die Fundamentalnorm "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus" folgt eine zweite Fundamentalnorm: Die Staatsgewalt "wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen ausgeübt". Dieses Wort "Abstimmungen" ist seit mehr als 60 Jahren, als sei es hochgefährlich, weggesperrt und in Sicherungsverwahrung gehalten worden. Die Bürger durften auf Bundesebene zwar alle paar Jahre wählen; abstimmen aber durften sie nie. Das ist ein Verfassungsverstoß durch Unterlassen, ein Verfassungsverbrechen im Fortsetzungszusammenhang."

    http://www.sueddeutsche.de/politik/verfassungsmaessigkeit-von-plebisziten-die-zeit-ist-reif-fuer-volksentscheide-1.1392376

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