Neue Vereinigung „Igor“ vertritt die Interessen der Privatanleger
Argentinien-Anleger bündeln ihre Kräfte

Abra und TFA, die deutsche und die italienische Interessenvertretung privater argentinischer Anleihegläubiger, haben gam Donnerstag eine enge Zusammenarbeit beschlossen.

BUENOS AIRES/DÜSSELDORF. Zu diesem Zweck haben die beiden Vereinigungen die „International Group of Rome for Argentine Bondholders“ (Igor) gegründet. Durch Igor soll, wie die beiden Gruppierungen gestern in Rom betonten, die Position im Umgang mit der argentinischen Regierung gestärkt werden.

Argentinien hatte Anfang 2002 auf Grund der anhaltenden Wirtschaftskrise den Schuldendienst eingestellt. Insgesamt beläuft sich die öffentliche Anleiheschuld des Landes auf 60 Mrd. Dollar. Die italienische TFA vertritt insgesamt gut 14 Mrd. Dollar, die Privatanleger in Argentinien investiert haben. Die deutsche Abra hat Argentinien-Anleihen im Gesamtvolumen von rund 1,2 Mrd. Dollar eingesammelt.

„Igor wird in der Lage sein, die Interessen der europäischen Privatanleger am Verhandlungstisch mit größerem Gewicht zu vertreten“, sagte die TFA-Leiterin Nicola Stock. Ronald Siebel von der bei Abra involvierten Hypo-Vereinsbank-Gruppe wertete die Zusammenarbeit als „ein klares Signal“ für die bevorstehenden Verhandlungen mit Argentinien. Die Regierung des südamerikanischen Landes will auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank am 23. September in Dubai seinen privaten Gläubigern ein Umschuldungsangebot vorlegen.

Für die Verhandlungen hat sich Igor folgende Ziele gesetzt:
>> Maximale Ausgleichsleistung für die von TFA und Abra vertretenen Anleihegläubiger.
>> Sicherung des Nominalwertes der Originalanleihen durch einen Schuldenerlass in Form von längeren Laufzeiten und einer Verringerung des Zinskupons.
>>Gleiche und faire Behandlung der vertretenen Anleger gegenüber allen anderen Gläubigern.

In Argentinien selbst brodelt derweil die Gerüchteküche über die Art und Weise der Umschuldung. Die argentinische Tageszeitung „Clarin“ wollte letzte Woche wissen, dass die Regierung einen Abschlag auf den Nominalwert in Höhe von 80 % anstrebt. Dies stritt der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Armando Torres, jedoch als „absolut unfundiert“ ab. Die Details des Umschuldungsangebots seien noch „in der Definitionsphase“, so Torres.

Keinen Widerruf von der Regierung gab es dagegen zu einem Bericht in Argentiniens angesehenster Wirtschaftszeitung „El Cronista Comercial“ in diese Woche. Demzufolge schlägt die Regierung in ihrem Entwurf für ein IWF-Kreditabkommen die Ausgabe von drei verschiedenen Anleihearten im Tausch gegen die alten Bonds vor. Vorgesehen sind laut „Cronista“ ein kurzfristiger Discount-Bond mit einem Abschlag vom Nennwert von etwa 40 % und einer Verzinsung zwischen 3 % und 5 %, ein langfristiger Par-Bond ohne Kapitalabschlag, aber mit einem Kupon weit unter dem Marktwert. Dazu kommt eine dritte Anleihe, deren Zinsen an die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gekoppelt werden.

Aus diesen drei Bonds sollen die Gläubiger je nach ihren Präferenzen bezüglich der Gewichtung von Zinsabschlag, Laufzeit und Kapitalabschlag wählen können. So stieß die Idee einer ans BIP gekoppelten Anleihe in Europa und den USA eher auf Ablehnung, japanische Gläubiger zeigten sich gegenüber der Lösung aufgeschlossen. Trotz unterschiedlicher Anleihearten soll aber letztlich der Abschlag vom Barwert (der sich entsprechend der Laufzeit aus der Abzinsung künftiger Zins- und Kapitalrückzahlungen auf den gegenwärtigen Zeitpunkt errechnet) für alle Gläubiger gleich sein.

Wie hoch der Gesamtverlust für die Gläubiger ausfällt, hängt nicht zuletzt von den Bedingungen des geplanten dreijährigen IWF-Kreditabkommens ab, über das voraussichtlich noch bis nächste Woche verhandelt wird. Bisher konnten sich Argentinien und der IWF nicht über die Zielgrößen für den primären Haushaltsüberschuss bis 2006 einigen. Nun zeichnet sich eine Lösung ab, nach der nur ein Haushaltsziel für das nächste Jahr festgelegt wird. „Das bedeutet, dass die Schuldenverhandlungen unbeeinflusst von Argentiniens Vereinbarungen mit dem IWF vonstatten gehen, was für die Gläubiger gut ist: Denn Argentinien hätte die IWF-Ziele für 2005 bis 2006 vielleicht als oberste anstatt als untere Grenze für seine Zahlungskapazität genommen“, sagt Michael Gavin von UBS-Warburg.

Quelle: Handelsblatt

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%