Neue Vermögen AG
Mit Banklizenz und Sägewerk

Am Anfang war der Laminatfußboden, den haben sie gemeinsam verlegt in ihrem neuen Büro mitten in Traunstein. Am Anfang hatten die acht Banker vor allem eins: Ideen und ein paar treue Kunden. Nur kein Geld.

TRAUNSTEIN. Am Anfang, das war 1998, als die bayerische Hypotheken- und Wechselbank von der Bayerischen Vereinsbank übernommen und zur Hypo-Vereinsbank (HVB) gemacht wurde. Ferdinand Fiedler, Tischler-Sohn aus dem Chiemgau, hatte es als Banker zum Bereichsleiter Vermögensanlage in Altbayern der Hypobank gebracht und keine Lust mehr, an diesem Anfang in der Großstadt München mitzumachen. Und so beschlossen er und die Hand voll Kollegen, mit ihrem Wissen und ihren Kunden etwas auf eigene Faust anzufangen: Vermögensverwaltung à la Laptop und Lederhose.

1998, Gründerklima, die Zeit des schnellen Geldes und der Börseneuphorie kündigt sich an. Ferdinand Fiedler aber verlegt Laminat und denkt nicht an den Neuen Markt. Er will seine alten Kunden halten, er muss sparen. Und auch deswegen fängt die ehemalige Hypo-Truppe, mit Argusaugen und Rechtsanwälten vom einstigen Arbeitgeber verfolgt, in der Heimat an. Hier im Chiemgau arbeitet zu jener Zeit im Dachgeschoss seines Heimes ein Mann, der es ebenfalls als Vermögensverwalter zu etwas gebracht und sich selbstständig gemacht hat: Gottfried Urban, ehemaliger Genossenschaftsbanker.

Urban und Fiedler, beide Ex-Banker, beide Asset-Manager mit Banklizenz und Schnauzbart, aber wie Wasser und Feuer; wie Bayern und Preußen, käme Urban nicht aus Altötting. Fiedler, der bodenständige Unternehmer, von dem Urban sagt, er sei ein echte „Gründernatur“. Urban, der Zahlenmensch aus dem Marienort, von dem Fiedler sagt, er sei eine „wandelnde Festplatte“. Wer die beiden erlebt, der glaubt nicht, dass das zusammenpasst. Aber es passt scho’.

Im Sommer 1998 gründen Urban, Fiedler und die ehemalige Hypo-Wertpapiertruppe die Neue Vermögen AG. Es sollte eine Vermögensverwaltung mit Stallgeruch werden, eine Art großes Family-Office. Als zusätzliches Bindemittel durften die ersten Kunden gleich Aktionäre werden, allein dieses Investment vervielfacht sich.

„Wir kannten jeden, der zu uns kam“, erzählt Urban. Ursprünglich sah der Geschäftsplan vor, bis 2006 etwa 200 Millionen Mark unter Verwaltung zu haben. Heute verwaltet die Unternehmensgruppe ein Vermögen von fast einer Milliarde Euro. Die Gesellschaft lässt einen Spezialtanker namens Wappen von Bayern über die Weltmeere fahren, hat drei eigene Publikumsdachfonds in Luxemburg aufgelegt, die sie über die Bayern LB, DZ-Bank und die Talanx-Gruppe vertreibt. Die nicht börsennotierte Gesellschaft zählt könig- und kaiserliche Hoheiten sowie zwei Kirchengemeinden, kommunale Stiftungen und viele Reiche im reichen Bayern und selbst nördlich des Mains zu ihren Kunden.

„Natürlich kommt es auf das persönliche Netzwerk an“, sagt Fiedler und erzählt, wie er einer vor Schmerz blassen Kundin, statt sie am heimischen Wohnzimmertisch von den Vorzügen seines Anlagekonzepts zu überzeugen, einen Termin beim Chiropraktiker besorgt hat. Die Familie gehört seither zur Stammkundschaft. Neben dem Blick fürs Ganze kamen eine Software, die nach der Portfolio-Analyse des US-Nobelpreisträgers Harry Markowitz arbeitet sowie die konservative Fonds-Strategie von Urban. „Wir haben schon im ersten Jahr schwarze Zahlen geschrieben, den Crash nach 2001 vergleichsweise gut überstanden“, sagt Urban. Heute ist das Unternehmen einer größten unabhängigen privaten Vermögensverwalter – wenngleich mit großem Abstand zur Nummer eins, Jens Erhardt, der gut sechs Milliarden Euro von Pullach aus betreut. Aber auch Erhardt hat einmal klein angefangen.

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