Neues Börsenbarometer
Nachhaltigkeit liegt im Trend

Die Börse Hannover hat einen globalen Nachhaltigkeitsindex aufgelegt. Der Global Challenges Index ist das dritte, seit gut einem Jahr in Deutschland erstellte Börsenbarometer zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit. Von bisherigen Indizes unterscheidet ihn, dass er sich auf sieben weltweite Themen und Handlungsfelder für börsennotierte Firmen konzentriert. Aufgenommen wird nicht jeder.

BERLIN. Insgesamt gibt es damit bereits sechs Indizes dieser Art von deutschen Anbietern. Ein Nachhaltigkeitsindex ausschließlich für inländische Unternehmen, wie ihn die Deutsche Bank schon vor Jahren anregte, fehlt allerdings nach wie vor.

Der GCI unterscheidet sich von bisherigen Indizes, indem er sich auf sieben weltweite Themen und Handlungsfelder für börsennotierte Firmen konzentriert: Klimawandel, Armut, Trinkwasserknappheit, nachhaltige Waldwirtschaft, Artenvielfalt, Bevölkerungsentwicklung und gute Unternehmensführung. „Nur die Firmen werden aufgenommen, die Nachhaltigkeit umfassend in ihre Geschäftsprozessen integriert haben und mit ihren Aktivitäten substanziell dazu beitragen, die globalen Herausforderungen zu bewältigen“, erläutert Robert Hassler, Vorstand der unabhängigen Münchener Nachhaltigkeitsratingagentur Oekom Research, die das Konzept entwickelt hat.

Der Index ist damit so streng, wie nur wenige Nachhaltigkeitsfonds. Er mischt Großkonzerne wie BT Group, Ricoh und Unilever mit kleinen und mittleren Firmen aus Europa und sowie den sieben größten Wirtschaftsnationen. Unter den 50 Unternehmen sind aus Deutschland Conergy, Henkel, Münchener Rück, Nordex, Q-Cells, SAP, Solarworld und Vossloh. Rückblickend hätte sich der Index seit 2001 um rund 15 Prozentpunkte besser entwickelt als der MSCI World, sagt Börsenvorstand Prof. Hans Heinrich Peters. Dies und die aktuelle Lage sind aber auf der Webseite nicht nachvollziehbar – sie bietet den MSCI gar nicht als Vergleichswert an.

Der älteste Nachhaltigkeitsindex in Deutschland ist der global ausgerichtete Naturaktienindex (NAI). Er gilt als einer der erfolgreichsten Gradmesser für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ökologisch verantwortlich handelnder Unternehmen. Mit seinem sehr strengen Konzept hat er seit seiner Auflage 1997 den MSCI World und den Dax permanent deutlich übertroffen. Auf ihm basiert ein im Jahr 2000 aufgelegter Publikumsfonds. Anders als GCI und NAI sind der von der Deutschen Börse 2006 lancierte Daxglobal Alternative Energy Index und der Öko-Dax spezialisierte Energieindizes. Ersterer konzentriert sich auf internationale Konzerne für alternative Energien. Der zweite heißt zwar „Öko“, aber es sind nur zehn deutsche Firmen aus dem Bereich erneuerbare Energien enthalten. Andere Umweltthemen spielen keine Rolle.

Zu Nachhaltigkeitsindizes sagte Hartmut Graf, Abteilungsleiter Indizes der Deutschen Börse, dem Handelsblatt: „Wir prüfen ein mögliches Engagement.“ Sobald die Nachfrage bei Investoren groß genug sei, werde die Börse zügig reagieren. Beim Öko-Dax bestand Bedarf: die Deutsche Bank legte gleich ein Zertifikat auf.

Großinvestoren wie Kirchen, Stiftungen und Pensionsfonds, sind oft ausschlaggebend für neue Indizes, weil bisherige Börsenbarometer und daran orientierte Anlageprodukte ihren Anforderungen nicht genügen. So begleiteten der Bundesverband Deutscher Stiftungen und die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover die Entwicklung des GCI. Und NordLB und Nordcon brachten prompt passende Index-Produkte für Institutionelle auf den Markt.

Auch für den seit 2005 von der Hypo-Vereinsbank existierenden HVB Nachhaltigkeits-Index und entsprechende Zertifikate gaben Investoren, vor allem ein Kloster, den Anstoß. Der Index hat weit mehr Ausschlusskriterien als der weltweit tonangebende Dow Jones Sustainability Index (DJSI).

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