Nicht immer nur Angsthasen
Wie deutsche Anleger wirklich ticken

Längst nicht alle Privatanleger in Deutschland sind Feiglinge und gebrannte Kinder des Neuen Marktes. Aber selbst eingefleischte Aktienfans brauchen bessere Beratung, denn auch ihre Performance ist nicht überragend.
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Wenn es um ihre Geldanlage geht, sind die Deutschen unselbstständig und risikoscheu. Sie vertrauen ihrem Bankberater blind und sind allergisch gegen Aktien – soweit das Klischee. Die Realität sieht anders aus, zumindest ein bisschen. Eine kleine Gruppe, zugegeben eine Minderheit, nimmt die Geldanlage selbst in die Hand, sie trotzt dem Zinstief und investiert in Aktien und Fonds.

Solche wertpapieraffinen Anleger sind nicht die typischen Privatanleger, das bestätigt auch Marc Tüngler. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) hat am Dienstag in Frankfurt den aktuellen Aktionärskompass vorgestellt. Für diese Studie hat ein Forscherteam der FOM Hochschule Essen nun schon zum zweiten Mal Teilnehmer von DSW-Informationsveranstaltungen, den sogenannten Anlegerforen, befragt.

Wer ein solches Forum besucht, der hat bereits Geld in Aktien und Fonds investiert oder interessiert sich zumindest dafür. Ganz anders der Durchschnittsdeutsche: 55 Prozent geben noch immer das Sparbuch – inklusive Spareinlagen und Banksparplänen – als bevorzugte Geldanlage an. „Das ist schlichtweg eine Katastrophe“, wertet Tüngler. 42 Prozent legen ihr Geld auf dem Girokonto an, 37 Prozent nutzen einen Bausparplan und 36 Prozent setzen auf eine Renten- oder Kapitallebensversicherung. „All diese Anlageformen sind nicht gerade als Renditebringer verschrien“, sagt Tüngler.

Für Aktienfonds begeistern sich von den Bundesbürgern gerade mal 21 Prozent, direkt in Aktien investieren rund 15 Prozent. Darüber können die Besucher der Anlegerforen wohl nur lachen: Satte 95 Prozent gaben an, Aktien im Depot zu haben und knapp 54 Prozent haben Aktienfonds. Im Vergleich zum Vorjahr sind diese Zahlen sogar noch einmal leicht gestiegen.

Dass sich eine solche Aktienkultur auch auf den Rest der deutschen Bevölkerung ausweitet, ist nicht absehbar. Schuld daran ist nach Einschätzung von Tüngler auch die Politik: „Sie sorgt dafür, dass das Geld auch in Zukunft zum Großteil in Anlageformen landen wird, deren Rendite nicht einmal ausreicht, um das Kapital zu erhalten“, sagt er.

Kommentare zu " Nicht immer nur Angsthasen: Wie deutsche Anleger wirklich ticken"

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  • "Im Fokus seiner Kritik stehen dabei die Produktinformationsblätter (PIB). Ein Bankberater darf den Kauf von einzelnen Aktien nur dann empfehlen, wenn zu den Papieren ein solches Produktinformationsblatt existiert, ansonsten ist die Beratung gesetzlich verboten. In der Praxis gibt es zu einzelnen Aktien oder auch zur Aktienanlage allgemein aber wenige solcher PIB. „Es soll sie geben, aber ich habe tatsächlich noch keine gesehen“, sagt Tüngler."

    Sorry, aber so eine Aussage vom Hauptgeschäftsführer der DSW geht ja gar nicht. Soll er mal zu seiner Hausbank gehen....

  • interessiert mich! Können Sie mir mal nähere Details hierzu geben?
    Danke

  • Unterdessen in Europa, haben die Deutschen nur geerntet, was sie in Griechenland und anderswo gesät haben. Letztes Jahr in Griechenland hat der Präsident der PASOK Evangelos Venizelos versprochen dass es seien nicht schaden würden den Sparer Anleihegläubiger. Aber die Anleihegläubiger, auch die kleinsten, haben 53,5% ihres Geldes sofort verloren und nun müssen bis 2042 warten, um den Rest ihres Kapitals zu erhalten. Das war PSI. Jetzt haben solche Anleihen 20% des Nennwerts die vor PSI hatten. Somit 15000 armen und hilflosen Griechen werden von der griechischen Regierung recht ab dem ersten Euro beraubt. Ohne die Garantie für 100.000 Euro, die in Zypern gab. Was war die Rolle von Deutschland in das alles? Was sind Worte wert, wenn sie Sicherheit versprechen zumindest für die Armen und die Kleinen? Was ist Europa wert? Wörter ...
    http://www.youtube.com/watch?v=cjllkUXpXF4

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