Niedecken im Interview „Geld beruhigt, aber ich verprasse es nie“

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„Ich verhalte mich im wahrsten Sinne des Wortes gewissenhaft“

Gibt es hier auch Fälschungen?

Wenn man da nicht genau Bescheid weiß, wird man auch übers Ohr gehauen. Gitarrenfälscher gibt es genug, die die so herstellen können, dass sie wirklich alt aussehen. Irgendwann kommt man an einen wirklichen Crack, der dir sagt, wo welche Bestandteile her sind. Da guckst du blöde.

Ist Ihnen das schon passiert?

Gott sei Dank nein.

Viele Ihrer frühen Texte, beispielsweise "Stell der vüür", wo es um die mündliche Anhörung bei Kriegsdienstverweigerern geht, sind längst von der Realität überholt. Haben Sie sich dem Mainstream angenähert oder der Mainstream an Sie?

Ich bin mittlerweile über 30 Jahre älter, habe eine andere Lebenswirklichkeit. Damals habe ich mir maximal Gedanken drüber gemacht, wie ich meine Miete bezahle, ob ich Sprit im Auto habe und wie ich meinen Deckel in der Kneipe bezahlt kriege. Das ist nicht mehr. Ich bin vierfacher Familienvater, habe erwachsene Kinder. Ich verhalte mich im wahrsten Sinne des Wortes gewissenhaft. Ich folge keiner Partei, weil man sich als Künstler keiner Parteiräson unterwerfen sollte. Was weiß ich, was noch links ist. Keine Ahnung!

Mit den Piraten ist zuletzt eine Partei in Länderparlamente eingezogen, deren extreme Forderungen nach Umsonstkultur im Netz gerade für Künstler existenzbedrohend sind.

Oh Gott, diese Nerds, die einen anonym im Internet bedrohen, wenn man anderer Meinung ist. Ich finde die Partei ganz furchtbar. Ich kann doch keiner Partei einen Blankoscheck ausstellen, die sagt, wir wissen zwar noch nicht, was wir mit deiner Stimme machen, aber wir machen das jetzt einfach mal. Du musst uns jetzt einfach mal vertrauen. Wir sehen ja abenteuerlich genug aus, dass du auch als Künstler uns wählen kannst.

Sehen Sie Gemeinsamkeiten bei den Piraten mit der Protestbewegung vor 30 Jahren?

Nein, überhaupt nicht. Damals ging es um Ökologie und Abrüstung; heute geht es darum, wie man unentgeltlich an das geistige Eigentum anderer kommt.

Welchen Politikern vertrauen Sie stattdessen?

Ich habe immer gerne, wenn Politiker auch mit bitteren Wahrheiten ankommen. Nehmen wir die Agenda 2010. Schröder hat es gemacht, obwohl er wusste, er wird dafür abgestraft. Deswegen hat er bei mir immer noch einen großen Bonuspunkt: weil er es endlich gewagt hat. Vielleicht hätte man mehr an die kleinen Leute denken sollen. Wenn jedoch alle auf der Welt unser Existenzminimum hätten, würden wir "Hurra" schreien.

Beispielsweise in Afrika, wo Sie sich seit Jahren engagieren? Wie geht es Ihnen, wenn Sie sehen, dass dieser arme Kontinent mit den immensen Rohstoffschätzen von Investoren aufgekauft wird?

Das ist ganz bitter. Die Europäer versuchen dort, Korruption auszuschalten und nur mit Staaten zusammenzuarbeiten, in denen die Menschenrechte zumindest in einem gewissen Standard vorhanden sind. Den Chinesen ist das alles vollkommen egal, Hauptsache, sie kommen an die Rohstoffe. Dieser Kontinent ist unendlich reich und wird nur ausgebeutet. Wie die Kinder dort in den Bergwerken arbeiten müssen, um Gold zu schürfen, das ist etwas, was in unseren Medien nur nach Mitternacht auf Phoenix stattfindet.

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29 Kommentare zu "Niedecken im Interview: „Geld beruhigt, aber ich verprasse es nie“"

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  • Niedeckens Musik ist grauenvoll, das war sie schon immer. Er glaubt, dass die Europäer (zu denen er ja gehört) in Afrika wirklich helfen wollen - mit edlen guten Motiven. Und die Chinesen nur am Ausplündern interessiert sind. Naja, da er zu seinen engen Freunden GAZPROM-Vorstandkanzler Schröder zählt, der so "mutig" war, die Verarmung großer Bevölkerungsschichten - bei gleichzeitigen Reichwerden der "Eliten" zu befördern, der muss ja ein guter Mensch sein.

  • Das ist jetzt unfair. Natürlich denkt jemand der millionen besitzt anders, aber es sei ihm gegönnt... man trennt sich halt von sowas, wenn er meint die FDP Menatlität passt besser zu ihm.

    Daraus aber Schlüsse auf seine Vergangenheit zu ziehen ist schlicht und einfach dumm. Sie haben offensichtlich nie ein Konzert mit ihm in den 70ern besucht und kennen auch seine alten Platten nicht?

    Der einzige aus dieser Zeit, der sich nie verbogen hat, ist konstantin Wecker Sehenswert:

    https://www.youtube.com/watch?v=_xpS-zaYCzE

  • Ja, es ist erschütternd was man zum Teil lesen muss, und ich glaube viele haben da grosse Illusionen.
    Extremstes Beispiel ist Herr Bono, es ist doch eigentlich klarm dass die INteresen eines Herren der hundert Millionen besitzt andere INteressen sein müssen als die der Käufer seiner Platten. Er fährt nach Davos und wird dort wohlgelitten, man kennt ihn halt. Wenn man sich die Entwicklung der Finanzwelt anschaut, während der 20 Jahre die er dort visitiert, dann sollte einem aber schon etliches auffallen, Oder?

    Nun ja, warum diese generation klüger sein als andere....

  • Der gute Wolfgang scheint mir doch sehr saturiert zu sein.
    Kürzlich habe ich mir u.a. noch den wunderschönen Titel "Wellenreiter" angehört.

    Er sollte sich dieses Stück mal anhören und sich dabei vor den Spiegel stellen. Dann sieht er das größte "Wetterfähnche", daß sich "em Wind driehßt".

  • Wolfgang Niedecken ist nur durch seine Fans zu diesem Reichtum gekommen und hat offensichtlich seine ursprüngliche Herkunft vergessen. Er hat mit seinem Interview im Handelsblatt all jene beleidigt, die durch Hartz IV und die Agenda 2010 unverschuldet in die Armut getrieben wurden. Ich werde keine weiteren BAB-Tonträger mehr kaufen und mich zukünftig mehr Bruce Springsteen zuwenden. Bye bye W.N.

  • "dass Niedeckens Antworten als Betrachtungen eines Unpolitischen eingeordnet werden können."

    Dafür hat er sich aber immer wieder ganz schön politisch gegeben ...
    Und das hat nicht zuletzt seinen Ruf ausgemacht und Leute aninmiert, seine Musik zu hören und zu kaufen. Was Niedecken natürlich wusste und auch weidlich nutzte. Er gab sich gerne so "ährlich" und so bodenständig, denn das war ja gut fürs Geschäft! BAP galt als "authentisch", wie man in den 80ern so sagte ...
    - War ja wohl nix!
    Die Fans sparten sich das Geld teilweise vom Munde ab, um eine BAP-LP zu kaufen ...
    Und jetzt die Ergebenheitsadresse an G. Schröder, den Hartz-Macher.

  • Verdamp lang her, dat ich fast alles ähnz nohm.
    Verdamp lang her, dat ich ahn jet jegläuv
    un dann dä schock, wat Wolfgang jez für Stuss schwätzt
    merkwürdich, wo su manche Haas langläuf ...

  • Wenn Niedecken Rücksichten zu nehmen hat, dann sollte er besser erst gar nichts sagen, als einen derartigen Tinnef zu verkünden.

  • Enttäuscht von diesem Interview und von Wolfgang Niedecken sind nur diejenigen, die irgendetwas in Wolfgang Niedecken reinprojizierten, was er selbst für sich und seine Musik nie beanspruchte. Entsprechend den Interviewfragen, bekommt der Leser auch die Antworten. Wolfgang Niedecken kann ja zu den Fragen nicht irgendetwas anderes antworten, wie unsere Parlamentarier und Regierungsmitglieder und vor allem die Mitglieder der eingetragenen politischen Vereine (= Parteien) das so gerne machen. Sicher wird er auch nicht sich für irgendetwas vereinnahmen lassen und damit sein Geschäft schädigen, da hängen ja schließlich noch die Existenzen vieler anderer Leute dran. Will man das überhaupt werten, so kann man sagen, dass Niedeckens Antworten als Betrachtungen eines Unpolitischen eingeordnet werden können.

  • @nitro:
    > ...Tonträger habe ich ... vernichtet!
    find ich jetzt schade, wirksamer wär gewesen sie ZU VERSCHENKEN

    u zu neidecken:
    das sein bestimmt halt das bewusstsein, tja so sinnse unsre "eliten" ... immerhin iss der so ziemlich schmerzfrei u merkt gar nicht mehr wie abgehoben er iss

    wohlan!
    wer von den herrschaften will sich als näxtes outen? freiwillige vor...!

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