Niedrige Zinsen
„Die konservative Geldanlage gibt es nicht mehr“

Die Deutschen müssen ihre Geldanlage überdenken. In Zeiten historisch niedriger Zinsen führt an Aktien kein Weg vorbei, ist Josef Kaesmeier überzeugt. Der Chefvolkswirt von Merck Finck über Wege aus dem Anlagenotstand.
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Der Dax steigt und steigt, hat gerade sogar ein Fünfjahreshoch erreicht. Wenn man sich die Märkte anschaut, könnte man meinen, die Krise sei vorbei….
Wir spielen aber nur, dass die Krise vorbei ist. Die Ankündigung von EZB- Präsident Mario Draghi im vergangenen Sommer, den Euro um jeden Preis zu retten, hat gereicht, um jegliche Bedenken über Bord zu werfen. Krise ade, im Ernstfall wird Draghi schon zahlen.

Seite Super Marios vollmundiger Ankündigung gab es aber keinen neuen Ernstfall…
Noch nicht. Aber irgendwann wird Draghi liefern müssen. Wir werden den Ernstfall erleben, ganz sicher.

Wie wird der aussehen?
Vielleicht erwischt es Spanien. Das Land ächzt unter einer extrem hohen Arbeitslosigkeit, die Banken sind noch immer in einer extrem schwierigen Situation. Vielleicht kommt das Land also nicht darum herum, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. Auch Italien könnte zum Problem werden – je nachdem, wie die Wahlen ausgehen.

Nach dem Super-Börsenjahr 2012 rechnen Sie also mit einem schwachen Börsenjahr?
Auch 2012 haben wir einige Verwerfungen erlebt. Nach einem fulminanten Jahresauftakt ging es erst einmal wieder abwärts, bevor die Märkte durchgestartet sind. Diese hohe Volatilität wird uns erhalten bleiben. Aber Draghi wird das Problem schon lösen.

Klingt ein bisschen ironisch?
Na ja, wir begnügen uns damit, unsere Probleme zu lösen, indem wir die Märkte mit Liquidität fluten. Aber das löst die Probleme nicht, das verschiebt sie nur. Damit gewinnen die Regierungen in den südeuropäischen Krisenländern natürlich Zeit, um ihre strukturellen Probleme anzupacken. Aber das müssen sie dann natürlich auch tun: Anpacken!

Kommentare zu " Niedrige Zinsen: „Die konservative Geldanlage gibt es nicht mehr“"

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  • sehr richtig dargestellt, aber wie entkomme ich den Verkaufsspezialisten der Banken?

  • An dieser Stelle würde ich gerne den Artikel von Herrn Vontobel angeben: http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2011/03/die-mutter-aller-finanzkrisen-zu-hohe-unternehmensgewinne/
    „Der Boom der toxischen Kredite ist die realwirtschaftliche Folge der Überschüsse im Unternehmenssektor und der damit verbundenen schiefen Verteilung der Haushaltseinkommen. Schuldverhältnisse und Kredite entstehen in der Realwirtschaft, sie werden nicht vom Bankensektor aus dem Nichts geschöpft. Die tiefen Zinsen wurden nicht von den Nationalbanken künstlich hergestellt, sondern sind Folge eines Anlagenotstands: Weil sich die Unternehmen mit ihren tiefen Löhnen gegenseitig die Nachfrage kaputt gemacht haben, mussten sie ihre Überschüsse zwangsweise auf den Kapitalmärkten anlegen – und dort die eine oder andere Blase auslösen.“
    Eine Alternative wäre das Konzept Helikopter Money:
    http://www.economicshelp.org/blog/5937/economics/helicopter-money-drop/
    Leider wird dieses Konzept nicht durchsetzbar sein, weil die wohlhabenden Leute an Macht verlieren wenn Inflation die Schulden abbauen würde.

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