Nikkei legt über sieben Prozent zu
Wie Abe die Kurse in die Höhe zaubert

Einige Aussagen von Japans Ministerpräsident Shinzo Abe zu seiner künftigen Wirtschaftspolitik beflügeln die Börse in seiner Heimat – dabei hat er eigentlich nicht viel Neues gesagt. Doch es gibt auch andere Kurstreiber.

TokioDie Anleger in japanische Aktien sind seit dem Ausbruch der China-Angst im August schon an extreme Achterbahnfahrten der Börse gewöhnt. Aber die Kursexplosion vom Mittwoch übertraf die Erwartungen. Um 7,7 Prozent zischte der Nikkei225 innerhalb eines Handelstages auf 18770,51 Yen nach oben. Angetrieben wurden die Kurse vor allem durch Ankündigungen des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe, die Unternehmenssteuern zu senken.

Dies war der höchste Tagesgewinn seit dem Ausbruch der Weltfinanzkrise im Jahr 2008, die auch für extreme Kursschwünge sorgte. Und wie für den erneuten Absturz am Dienstag, mit dem der Tokioter Markt die Gewinne seit Jahresanfang wegwischte, musste wieder China dieses Mal als Erklärung für die Stampede herhalten.

In Japan wurden die Handelsdaten Chinas zuerst sehr negativ aufgefasst. Zur Erinnerung: Das Wirtschaftswunderland importierte im August 13,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dies war ein weitaus größerer Einbruch als erwartet worden war.

Der Nikkei schmierte daraufhin erneut um mehr als 400 Yen ab. Denn Chinas Importe schürten die Sorge, dass die Japan AG als einer der wichtigsten Lieferanten von Bauteilen und Produktionsanlagen besonders hart von einem möglichen Abflauen des chinesischen Wachstums getroffen werden konnten.

Doch je weiter der globale Handelstag fortschritt, desto stärker drehte sich die Stimmung. Und plötzlich trieb die Hoffnung auf großzügige Wachstumsmaßnahmen der chinesischen Regierung die Aktienkurse in den USA wieder nach oben, sagen Japans Händler. Und plötzlich wirkte Japan überverkauft und billig.

Verbesserte Wachstumsdaten der Euro-Zone für das zweite Quartal und die Ankündigung Abes, sich nach seiner Bestätigung als Parteipräsident wieder verstärkt der Wirtschaft und Reformen zuzuwenden, dienten als weitere Triebsätze der Hausse. Abe hatte bei einer Bankveranstaltung gesagt, die Unternehmenssteuer im kommenden Jahr um 3,3 Prozentpunkt zu senken und „darüber hinaus zu gehen, falls möglich“. Ein Sprecher relativierte später die Aussagen. Es gebe keinen Kurswechsel und die Nachricht sei vielleicht nicht eindeutig ausgedrückt worden.

Der Kursexplosion tat das keinen Abbruch. Fast kein Wert blieb zurück. 1877 Aktien an der ersten Sektion der Tokioter Börse stiegen, nur elf sanken, sechs stagnierten. Besonders Exporteure profitierten, weil auch der Dollar wieder stieg und damit die Gewinnaussichten im Ausland aktiver Firmen verbesserte. TDK, ein Hersteller elektronischer Bauteile, legte um 8,5 Prozent zu, der Roboterhersteller Fanuc um 8,4 Prozent.

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Japans Wirtschaft schrumpft

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