Nordamerikas Börsen
Derivate locken zum Einstieg

Nordamerikas Börsen haben auf Expansion umgeschaltet. Zwar bezeichnen sie ihr Geschäftsfeld weiter als Wachstumsbranche. Doch ihre Zukunftsvisionen beruhen dabei vor allem auf der anhaltenden Dynamik der Derivatemärkte.

BOCA RATON. Im Rahmen ihrer Globalisierungsstrategien ziehen daher nicht nur die nordamerikanischen Terminbörsen diesen Derivate-Trumpf aus dem Ärmel; auch die traditionellen Aktienbörsen suchen ihr Heil im boomenden Derivatehandel. Top-Manager der führenden nordamerikanischen Börsen New York Stock Exchange (Nyse), Nasdaq und Toronto Stock Exchange (TSX) wollen nicht zuletzt unter dem Druck ihrer unzufriedenen Aktionäre groß ins Geschäft mit derivativen Finanzinstrumenten – das sind von Aktien, Anleihen, Devisen oder Rohstoffen abgeleitete Produkte – einsteigen.

So sieht zum Beispiel Nyse-Vorstandschef John Thain in Derivaten zum einen die wesentlich größere Wachstumsdynamik und zum anderen – was für einen als Aktiengesellschaft mit Ertragsorientierung aufgestellten Börsenbetreiber möglicherweise noch wichtiger ist – auch die attraktiveren Ertragsmargen. Daher dürfte Thain eine noch stärkere Positionierung auf den Wachstumsmärkten Optionen und Futures versuchen, sagten Fachleute am Rande der von der Futures Industry Association (FIA) organisierten weltgrößten Derivatekonferenz in Boca Raton. Die US-Wertpapierbörsen würden sich damit dem erfolgreichen europäischen Modell integrierter Kassa- und Terminbörsen annähern.

Argumentationshilfen erhielt Nyse-Chef John Thain durch Craig Donohue, den Vorstandschef der Chicago Mercantile Exchange (CME). Er spricht von einer „blendenden Zukunft für die Terminbörsen“. Während das Verhältnis von an Börsen auf der einen und im Freiverkehr auf der anderen Seite gehandelten Aktien 87 zu 13 Prozent betrage, stelle sich die Situation bei Derivaten völlig anders dar. Hier würden 83 Prozent der Geschäfte nach wie vor im Freiverkehr getätigt und nur 17 Prozent an den organisierten Terminbörsen abgewickelt.

Von solchen, auf eine Sättigung im Aktienhandel hinweisende Zahlen lässt sich auch David Warren hinreißen, der Finanzchef der zweitgrößten Wertpapierbörse der USA, Nasdaq. Warren kündigte auf einer Investorenkonferenz in Florida den Einstieg in den Handel mit Optionen und Futures an. Die Nasdaq, die eine 29-prozentige Beteiligung an der London Stock Exchange (LSE) hält und damit bereits indirekt im Optionsgeschäft aktiv ist, werde bis zum September 2007 in den USA eine Optionsbörse haben, um so die Chancen des „deutlich stärker wachsenden Derivatemarktes“ wahrnehmen zu können. „Bei der Nasdaq werden sich in Zukunft eine Menge aufregender Dinge tun“, sagte Warren.

Und auch in Kanada suchen die Börsen eine Neuorientierung im Derivatehandel. Die TSX Group – Betreiber der Toronto Stock Exchange – hat einen solchen Schritt in der vergangenen Woche bereits vollzogen. TSX-Vorstandschef Richard Nesbitt kündigte an, gemeinsam mit der International Securities Exchange (ISE) in New York – der am stärksten wachsenden Optionsbörse der USA – bis zum Jahr 2009 eine neue Derivatebörse in Kanada ins Leben zu rufen.

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