Number26-Chef Valentin Stalf
„Wir werden Kredite in Echtzeit anbieten“

Erst kürzlich hatte Number26 Ärger, weil sie Hunderten Kunden das Konto gekündigt hatte. Jetzt bekommt das Start-up eine Banklizenz und ändert seinen Namen. Was das für die Kunden bedeutet, erklärt Chef Valentin Stalf.

DüsseldorfNumber26 bekommt eine eigene Banklizenz und ändert seinen Namen. Das Fintech-Start-up heißt künftig N26 und will zu den großen Banken aufschließen. Die Kontokündigungen vor wenigen Wochen haben tausende Kunden aber nicht vergessen.

WiwoGründer: Herr Stalf, Number26 hat jetzt eine Banklizenz. Was ändert sich dadurch?

Valentin Stalf: Wir erlangen dadurch enorme Wettbewerbsvorteile und können Banking auch im Kern nachhaltig verändern. Bislang haben wir mit der Wirecard Bank gearbeitet, nun sind wir technisch unabhängig und können unsere Produkte schneller entwickeln. Zudem können wir so zukünftig noch schneller weitere Partner auf unsere Plattform integrieren und Innovationen vorantreiben.

Und was haben die Kunden davon?

Zum Beispiel werden wir eine größere Produktvielfalt anbieten und mehr Transaktionen in Echtzeit abbilden können. So werden wir einen Kredit entwickeln, bei dem die Kunden noch in der gleichen Sekunde Rückmeldung bekommen, ob sie ihn erhalten. Bei einer anderen geplanten Funktion können sich Kunden Ausgaben teilen. Heißt konkret: Im Restaurant kann einer mit Karte bezahlen und dann die Kosten mit den Freunden mit einem Wisch teilen.

Number26 hatte in der Vergangenheit immer wieder technische Probleme. Steigt bei komplett eigener Technik nicht die Gefahr, dass sich Pannen häufen?

Nein, grundsätzlich hatten wir in der Vergangenheit keine nennenswerten technischen Probleme im Vergleich zu traditionellen Banken, deren Systeme 15 bis 20 Jahre alt sind. Mit unserer eigenen IT-Infrastruktur werden wir sogar noch stabiler sein, denn wir entwickeln in modernen Sprachen und können auf den technologischen Möglichkeiten von heute aufbauen.

Wann erfolgt der Systemwechsel?

Wir planen die Umstellung für diesen Herbst. Die Kunden müssen dabei nur zwei, drei Klicks machen. Das einzige, was sich für die Nutzer ändert, ist die Kontonummer – die Daueraufträge beispielsweise werden automatisch umgestellt.

Zudem ändern Sie auch den Namen, aus Number26 wird N26. Warum?

Der Name ist internationaler, in Frankreich und Spanien war Number26 nicht ideal. Er ist außerdem kürzer und wir haben jetzt auch die Internetadresse n26.com. Eine kürzere Domain ist viel cooler, man kann sie sich besser merken und die Kunden viel schneller eintippen.

Wofür steht eigentlich die 26?

Unser Name kommt vom Rubik’s Cube. Der Zauberwürfel ist unglaublich komplex und trotzdem kann man ihn mit der richtigen Strategie in nur wenigen Schritten lösen. Das ist unsere Inspiration dafür, dass man auch das komplexe Bankensystem mit der richtigen Strategie einfach lösen kann. Und der Zauberwürfel besteht aus 26 einzelnen Würfeln.

Zuletzt gab es viel Ärger um gekündigte Konten von Kunden, die zu oft Bargeld abgehoben hatten. Nun haben sie dafür Limits eingeführt. Wie wirkt sich das auf die Kundenzahl aus?

Insgesamt haben sich mehr Kunden neu an- als abgemeldet. Und auch von denen, denen wir gekündigt haben, wollen 35 Prozent wieder ein Konto mit den neuen Regeln. Generell sind Abhebungen von Bargeld für alle Banken teuer. Wir geben unseren Kunden daher einen Rahmen für die Nutzung der Geldautomaten. Aber sie haben weiterhin die Möglichkeit, in über 6000 Supermärkten kostenlos und unlimitiert Geld abzuheben.

Oliver Voß
Oliver Voß
WirtschaftsWoche Online / Redakteur
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