Nur spezialisierte Händler mit Gespür für Trends laufen an der Börse gut
US-Einzelhändler sind keine Schnäppchen für Investoren

Für viele Aktien von amerikanischen Einzelhandelsunternehmen ist es in letzter Zeit immer weiter bergab gegangen, viele Titel wurden von Analysten immer wieder herabgestuft. Dennoch birgt die US-Handelsbranche auch Gewinnchancen für Investoren.

NEW YORK. Das Umfeld für US-Einzelhandelsaktien ist derzeit durchwachsen. Im August haben die meisten US-Einzelhändler ihre Umsätze im Vergleich zum Vorjahr kaum gesteigert. Zudem senkte der weltgrößte Warenhauskonzern Wal-Mart vor wenigen Tagen seine Wachstumsprognose für den August. Der Schrittmacher für die gesamte US-Branche schätzt, dass die Umsätze, bereinigt um Neueröffnungen, in diesem Monat stagnieren oder mit einer Jahresrate von höchstens zwei Prozent steigen. Das wäre das geringste Wachstum für Wal-Mart seit 17 Monaten. „Die Sommersaison läuft nur schleppend an“, sagte Analystin Deborah Weinswig bei einer Konferenz in New York.

Kein Wunder, dass es für viele Einzelhandelsaktien zuletzt bergab ging. Mit Titeln von Wal-Mart, dem Bekleidungshaus Gap und der edlen Modekette Abercrombie & Fitch erlitten Aktionäre in den vergangenen Monaten Kursverluste von bis zu zehn Prozent. Selbst nach dem Kursrückgang erscheinen viele US-Handelsaktien immer noch teuer. Ihre Kurs- Gewinn-Verhältnisse liegen mit 15 bis 25 über dem langfristigen Mittelwert.

Die Umsatzschwäche des Handels fällt ausgerechnet in die so genannte Schulbeginn-Periode (Back-to-School-Season). Von Juli bis Oktober kaufen die US-Familien Schulmaterialien, Kleidung und Computer. Für die meisten US-Einzelhändler ist dies die zweitwichtigste Verkaufsphase nach dem Weihnachtsgeschäft.

Hinter der gebremsten Dynamik im US-Handel stecken weggefallene Steuergeschenke und der gestiegene Ölpreis. Im vergangenen Sommer trieben die Steuererstattungs-Schecks, die das US-Finanzministerium an Geringverdiener verschickte, die Schnäppchenjäger in die Geschäfte. Davon profitierte der Billiganbieter Wal-Mart besonders stark. Diese Kundschaft fehlt in diesem Jahr, zumal gerade die ärmeren Haushalte den dramatischen Anstieg der Benzinkosten in den USA deutlich spüren.

„Der amerikanische Otto- Normal-Verbraucher schränkt sich ein“, sagte Analyst Eric Jemetz von der Vermögensverwaltung Rockefeller & Co der Agentur Bloomberg. Im zweiten Quartal stiegen die Konsumausgaben in den USA nur mit einer Jahresrate von einem Prozent. Das war der geringste Zuwachs seit der Rezession im Jahr 2001. Citigroup-Volkswirt Steven Wieting rät allerdings, den Benzinpreis- Schock nicht zu hoch zu bewerten. Er schätzt, dass der der Anteil der Benzinausgaben am Gesamtbudget des Durchschnittsamerikaners in diesem Jahr auf 2,9 Prozent steigt. 2003 waren es 2,1 Prozent. „Solche Beträge können die meisten Amerikaner beherrschen“, erwartet Wieting.

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