Obwohl die Firmengewinne sprudeln
Anleger reagieren skeptisch

Den starken Firmengewinnen zum Trotz blicken Börsianer sehr verhalten auf das zweite Börsenhalbjahr. Während die meisten Bankhäuser ihre Prognosen anheben, erwarten private und institutionelle Anleger keine großen Kurssprünge mehr.

DÜSSELDORF. Das zeigt eine Umfrage der Investmentexperten von Sentix in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt bei 187 institutionellen und 554 privaten Anlegern.

Nach dem Höhenflug bis zum Frühjahr und dem folgenden Börsenkater prognostizieren die Anleger dem Deutschen Aktienindex (Dax) ein Plus von sieben Prozent im Gesamtjahr. Sie sehen den Dax auf etwa 5 800 Punkte steigen. Gemessen am aktuellen Niveau ist das ein Potenzial von zwei Prozent. Sentix zählt mit 2 300 registrierten Investoren zu den führenden Kapitalmarktumfragen in Europa.

Nach Ansicht des Sentix-Experten Patrick Hussy erkennen zwar viele Börsianer die gute Konjunkturlage an. Aber: „Die Anleger schreiben das Bild nicht fort. Die nahende Mehrwertsteuer-Erhöhung und die vielen Zinserhöhungen in den USA trüben das Bild“, sagt Hussy. Im Zuge der Mehrwertsteuererhöhung rechnen viele mit Vorzieheffekten, denen 2007 eine gedämpfte Ausgabefreudigkeit folgen dürfte. Und nach 17 Zinserhöhungen sorgen sich Anleger, dass Aktien unattraktiv werden. Einerseits werfen Alternativanlagen wie Anleihen wieder mehr Rendite ab, andererseits müssen sich die Firmen teurer refinanzieren. Das dürfte die Gewinne drücken.

Entsprechend pessimistisch sind die Anleger gegenüber den US-Börsen. Dem S&P-500-Index prophezeien sie bis Jahresende eine Stagnation. Hier spiegeln sich neben den befürchteten negativen Zinsauswirkungen auch die sinkenden Immobilienpreise wider. Das droht die Ausgaben vieler Konsumenten zusätzlich zu schmälern, weil sie ihre Häuser nicht mehr – wie in den vergangenen Jahren – höher beleihen können. „Kaum ein Anleger will etwas von US-Aktien wissen“, sagen unsere Berater bei den Sparkassen“, konstatiert Andreas Hürkamp von der Landesbank Rheinland-Pfalz eine große Abneigung gegenüber der Wall Street.

Dabei verliert das Bewertungsargument an Kraft. Die Anteilsscheine im S&P-500 weisen angesichts der rasant steigenden Gewinne der US-Firmen nur noch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 auf. Das ist etwas weniger als im langjährigen Mittel.

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