Ökonomen kritisieren Rolle des US-Notenbank-Chefs
Greenspan: Mythos mit Kratzern

Es kommt nicht häufig vor, dass Alan Greenspan keine Antwort weiß. Als der damals noch weitgehend unbekannte Wirtschaftsprofessor Robert Shiller den US-Notenbank-Chef Anfang Dezember 1996 fragte, wann die Fed zum letzten Mal die Börsenkurse als zu hoch bezeichnet habe, musste der Geldpolitiker passen. Nur mit Hilfe des Archivs konnte Greenspan herausfinden, dass die Notenbank 30 Jahre lang zum Auf und Ab an der Börse geschwiegen hatte.

HB NEW YORK.Wenige Tage später brach Greenspan sein Schweigen. In seiner berühmten Rede vor dem American Enterprise Institute in Washington warnte er vor „irrationalen Übertreibungen“ auf dem Aktienmarkt. Dabei ist es jedoch geblieben. Bis auf eine leichte Zinserhöhung im März 1997 ließ Greenspan seinen Worten keine Taten folgen. Im Gegenteil.

Durch zahlreiche Reden zum Produktivitätswunder in den USA unterstützte er die weit verbreitete Illusion, dass es in der „New Economy“ keine Verlierer geben könne. Dieser Irrglaube wurde durch die kräftigen Liquiditätshilfen der Fed während der Finanzkrisen in Asien noch befördert. Notfalls, so dachten und denken noch heute viele Investoren, wird uns der Magier des Geldes schon aus der Patsche helfen.

So kletterte der Dow Jones weiter und erreichte schließlich am 13. Januar 2000 mit 11 908 Punkten seinen Höhepunkt. Erst drei Wochen später trat Greenspan auf die Bremse und leitete eine Serie von Zinserhöhungen ein. Kurz darauf platzte die Börsenblase.

Viele Ökonomen halten die Untätigkeit Greenspans für einen schweren Fehler und machen ihn für die Spekulationsblase mitverantwortlich: „Aktienblasen gehören zu den größten Gefahren für eine Volkswirtschaft. Um ihre zerstörerischen Folgen zu vermeiden, bedarf es Klugheit und Courage – die Federal Reserve hatte weder das eine noch das andere“, sagt Stephen Roach, Chefökonom der Investmentbank Morgan Stanley.

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