Öl
Auf der Suche nach der Energie

Wer sich als Anleger für Rohstoffe interessiert, kommt an einer zentralen Frage nicht vorbei: Was passiert an den Märkten, wenn die jetzt noch boomende globale Konjunktur abkühlen sollte?

Flacht dann die Nachfrage nach Rohstoffen so stark ab, dass die Gewinne der Unternehmen in der Branche zusammenbrechen und die Aktienkurse absacken? Die Optimisten setzen darauf, dass sich die Rohstoffmärkte zumindest von der US-Konjunktur absetzen könnten. Möglicher Beleg für eine solche Abkopplung ist die aktuelle Rekordjagd des Ölpreises.

Ein Barrel der Sorte WTI stieg trotz angeschlagener US-Wirtschaft zuletzt auf fast 90 Dollar. Damit hatte im Sommerloch kaum jemand gerechnet. Immerhin verbrauchen die USA nach wie vor dreimal so viel Öl wie China, die befürchteten Förderausfälle durch Hurrikans im Golf von Mexiko blieben aus, und die nachfrageschwachen Monate des Jahres standen bevor.

Doch es sind neben China die immer wieder aufflammenden geopolitischen Risiken, die den Ölpreis regelmäßig anheizen. Wie jetzt die Furcht vor einem Angriff der Türkei auf kurdische Rebellen im ölreichen Norden des Irak – und die Sorge, US-Präsident George W. Bush könnte die Haltung gegenüber dem Iran so versteifen, dass ein Militärschlag nicht mehr undenkbar wäre.

Unabhängig von der aktuellen Versorgungslage am Ölmarkt, entwickelt sich aus solchen Befürchtungen rasch eine Eigendynamik, weil immer mehr Spekulanten auf den Zug aufspringen. "Das kann durchaus noch bis 100 Dollar gehen", mutmaßt Jochen Hitzfeld, Rohstoffanalyst bei Unicredit in München.

Auch dieses Spiel endet wieder, doch die nächste Runde wird auf einem höheren Niveau gestartet. Denn die Spekulanten wissen: Öl ist knapp auf der Welt. "Seit 2005 stagniert die weltweite Erdölförderung", sagt Hitzfeld. Der Rohstoffanalyst rechnet auch in Zukunft nicht mit einer Steigerung des Ölangebots. Die Förderung außerhalb der Opec werde stagnieren – und selbst eine Ausweitung der Opec-Produktion um eine Million Barrel pro Tag reichte nicht, um die Lücke zwischen Nachfrage und Produktion zu schließen. Hitzfeld: "Das geht nur durch Lagerabbau und einen steigenden Ölpreis."

Es klingt verrückt, aber selbst einen scharfen Konjunktureinbruch in den USA könnte der Ölpreis wegstecken. Denn fiele der US-Konsument als wichtigste Säule der amerikanischen Wirtschaft aus, würde vermutlich der Staat einspringen. Das gängigste Mittel amerikanischer Konjunkturpolitik war in der Vergangenheit stets die Aufstockung der Militärausgaben. Die schärfere Rhetorik aus Washington in Richtung Iran kommt insofern nicht überraschend. Dann aber blickt die Welt wieder gebannt auf die Straße von Hormus: Durch das Nadelöhr am Persischen Golf müssen ein Drittel der globalen Öllieferungen.

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