Ölmarkt
Valero avanciert zum Börsenliebling

Der größte unabhängige Raffineriebetreiber in den USA, Valero profitiert von der Knappheit an Öl und Verarbeitungskapazität. Unter Analysten gilt Valero sogar als größter Nutznießer der steigenden Margen in der Raffineriebranche.

HOUSTON. Zwar stöhnen die US-Bürger über die stetig steigenden Benzinpreise – doch deshalb verzichten sie noch lange nicht aufs Auto. Das zeigt die wöchentliche Inventur der staatlichen Erdölvorräte. Im Gegenteil: Wie in jedem Jahr dürfte auch 2006 der Treibstoffverbrauch in den Sommermonaten Rekordstände erreichen, weil viele mit Auto und Flugzeug in die Ferien reisen.

Das sind gute Nachrichten für die Ölaktie Valero: Dem größten unabhängigen Raffineriebetreiber in den Vereinigten Staaten bringt die starke Nachfrage attraktive Gewinne und einen reißenden Absatz. Der Aktienpreis steckte zwar Ende vergangener Woche Verluste ein, als der Markt nach den vereitelten Terroranschlägen von London Flug- und Ölaktien abstrafte. Dennoch liegt der Kurs auch weiterhin nur leicht unter dem Zehnjahreshoch von April.

Unter Analysten gilt Valero sogar als größter Nutznießer der steigenden Margen in der Raffineriebranche. Im kürzlich abgelaufenen Vierteljahr erzielte das texanische Unternehmen einen Rekordquartalsgewinn von knapp zwei Mrd. Dollar oder rund drei Dollar pro Aktie – etwa doppelt so viel wie im Vorjahresquartal. Wären Valero nicht eine Reihe unvorhergesehener Zwischenfälle in die Quere gekommen, wie etwa ein Anlagenbrand in Louisiana und ein längerer Stromausfall auf Aruba, hätte der Gewinn sogar noch höher ausfallen können. Zurzeit betreibt die Firma 18 Raffinerien in den USA mit einer Durchlaufkapazität von mehr als drei Mill. Barrel (je 159 Liter) pro Tag.

Für die kommenden drei Monate versprach die Valero-Geschäftsleitung einen noch höheren Gewinn, weit über der durchschnittlichen Analystenprognose von 2,51 Dollar je Aktie. „Insgesamt werden sich zwar die unabhängigen Raffinerien in der kommenden Zeit eher auf dem Niveau des breiten Markts bewegen, aber von Valero erwarten wir Überdurchschnittliches“, sagt Analyst Mark Flannery von Credit Suisse.

Ein Grund dafür sind Valeros hochspezialisierte Raffinerien: Während sich die Rohölpreise auf dem Weltmarkt in astronomischen Höhen bewegen, kann Valero auch billigeres Öl von schlechterer Qualität einkaufen und in seinen Anlagen zu Benzin und Diesel verarbeiten. Damit verbesserte der Konzern etwa im zweiten Quartal seine Gewinnspanne pro Barrel Rohöl um etwa 50 Prozent.

Zudem nimmt in den USA die Hurrikansaison wieder an Fahrt auf. Sowohl bei den Kunden als auch bei den Anlegern wächst damit die Furcht vor Nachschubproblemen an den Tankstellen. Vergangene Woche veröffentlichte die US-Wetterbehörde NOAA eine Prognose für die laufende Saison, in der sie eine „überdurchschnittliche Anzahl an Hurrikans“ voraussagt. Zwölf bis 15 tropische Stürme werden demnach in diesem Jahr erwartet, davon drei bis vier ausgewachsene Hurrikans.

„Wenn sich die Ereignisse vom vergangenen Jahr wiederholen, könnten auch 2006 einige Raffinerien für lange Zeit stillliegen“, warnt Analyst Philippe Lanier von der Bank of America. Dann könnten die übrigen Standorte umso mehr verkaufen, und der Benzinpreis würde durch das knappe Angebot und die ebenfalls knappen Raffineriekapazitäten in den USA weiter steigen. „Das würde die Gewinnmargen für 2007 noch über unsere jetzigen Schätzungen hochtreiben“, sagt Lanier.

Ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm soll die Titel für Anleger zusätzlich attraktiv machen – und die Analysten erwarten, dass Valero nach Erreichen des bisherigen Kontingents ein neues Rückkaufprogramm auflegt.

Zudem beschränken schärfere Umweltschutzgesetze und Proteste betroffener Anwohner die Zahl der Standorte, an denen die Raffinerien neue Anlagen bauen können. „Die Wachstumsrate bei Verarbeitungsstandorten liegt aus diesen Gründen weltweit niedriger als erwartet“, sagte Valero-Chef Bill Klesse. Dadurch bleibe das Verhältnis von Angebot und Nachfrage angespannt.

Valeros Expansion in dem texanischen Küstenort Port Arthur soll nach einiger Verzögerung nun im November abgeschlossen sein. „Außerdem ist das Unternehmen daran interessiert, in Europa zuzukaufen“, sagt Mark Flannery. „Die britische Raffinerie in Coryton, die bislang noch BP gehört, würde zum Beispiel sehr gut in Valeros Portfolio passen.“

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