Oldtimer als Investment
Fahren wie Delon

Ein Scheunenfund in Frankreich beschleunigt derzeit den Puls von Oldtimer-Fans. Die raren Rostlauben sind teils Millionen wert. Als Anlage-Alternative für private Investoren haben „Chrom-Juwelen“ aber ihre Tücken.
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DüsseldorfDer Fund ist einmalig. Auf einem verlassenen Anwesen im Westen Frankreichs  stoßen Pierre Novikoff  und Mathieu Lamour, Automobilexperten vom Auktionshaus Artcurial, auf eine vergessene Oldtimersammlung. Unter verrosteten Wellblechen lagern rund 60 Fahrzeuge, darunter extrem seltene Modelle von Marken wie Bugatti, Maserati und Ferrari. Die Sammlung wurde von dem Transportunternehmer Roger Baillon in den 50-er Jahren begonnen und sollte auf dem Anwesen zu einem Automuseum werden.

Experten waren bisher davon ausgegangen, Baillon hätte den Bestand aufgelöst. Die beiden Oldtimer-Schatzsucher waren einem Hinweis nachgegangen und fühlten sich nach eigenen Angaben, „wie die Entdecker von Tutanchamuns Grab“. Den absoluten Höhepunkt der Sammlung stellt wohl ein Ferrari 250 GT SWB California Spyder dar. Das nur 37 mal gebaute Fahrzeug gehörte mal dem prominenten französischen Schauspieler Alain Delon.

Was aber bedeutet ein solcher Fund für den Oldtimermarkt ? Der Oldtimer-Weltverband FIVA schätzte das Volumen des Marktes 2013 auf mehr als 16 Milliarden Euro. Betriebe, die sich mit Oldtimern beschäftigen, konnten einen Umsatz von 5,5 Milliarden Euro in 2014 erzielen, zeigt eine weitere Studie des Verbandes. Viele Sammlungen sind dem Markt vorher bekannt, der französische Scheunenfund sei allerdings „völlig neu, eine echte Entdeckung“, sagt der Entdecker Pierre Novikoff.

Jens Berner, Oldtimerexperte der Südwest Bank sieht aber keinen Einfluss auf die Marktpreise durch diesen Fund. „Die meisten dieser Modelle sind aus der Vorkriegszeit, den 20er Jahren. Diese Baujahre stehen nicht im Fokus der Investoren“, kommentiert Berner den Fund im Interview mit dem Handelsblatt. Der Ferrari von Delon werde wahrscheinlich einen zweistelligen Millionenbetrag einbringen. Dennoch sind auch Marken darunter, die nur Spezialisten bekannt sind, meint er.

Die Südwestbank legt einen Oldtimerindex auf, in dem sie die Preisentwicklung auf dem Oldtimermarkt für 20 Modelle süddeutscher Hersteller seit 2005 abbildet. Bis Anfang des Jahres konnte der Index einen Wertezuwachs von jährlich zehn Prozent verzeichnen.  Er soll den Liebhabern älterer Fahrzeuge Vergleichsmöglichkeiten bieten. Rein von der Wertentwicklung her können Oldtimer eine alternative Möglichkeit der Geldanlage sein -  gerade in Zeiten der Niedrigzinsen.

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