Online-Kreditplattformen
Schulden machen ohne Banken boomt

Geld zu leihen geht heute mit nur wenigen Klicks. Möglich machen das Online-Kreditplattformen, auf denen Menschen einander Kredite geben – ganz ohne Bank. Eine Studie zeigt, wie die neuen Spieler die Branche aufmischen.
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Der Gang zur Bank – kein Muss mehr für Kreditnehmer?

Wer sich Geld für das lang ersehnte Auto oder die schicke Einbauküche leihen möchte, muss längst nicht mehr zur Bank gehen. Denn um schnell und unkompliziert an Geld zu kommen, reichen schon wenige Klicks im Internet. Peer-to-Peer-Kredite machen das möglich. Dabei leihen sich Kreditnehmer und Kreditgeber über Internetplattformen gegenseitig Geld. Das funktioniert meist ähnlich wie eine Partnerbörse: Kommen Angebot und Nachfrage zusammen, gibt es ein „Match“ und das Geld wandert auf das Konto des Kreditnehmers, der es dem Geber später mit Zinsen zurückzahlt. Die Plattform kassiert dabei eine Gebühr. Die Investmentbank Morgan Stanley hat in einer Studie den Markt für solche Plattformen untersucht. Sie schätzt, dass er im Jahr 2020 rund 290 Milliarden Dollar schwer sein könnte – ein Wachstum von 51 Prozent.

Internetkredite – auch für die Unternehmensfinanzierung interessant?

Noch schneller wächst der Markt für private Unternehmenskredite (englisch: SME). Dort können Privatleute ihr Geld an kleine und mittlere Unternehmen verleihen, die wiederum bei der Finanzierung die Bank umgehen können. Der SME-Markt – so schätzen die Experten – könnte in den kommenden fünf Jahren um bis zu 65 Prozent wachsen auf 490 Milliarden Dollar. „Peer-To-Peer“ – was soviel bedeutet wie „von Kollege an Kollege” ist für derlei Dimensionen nur ein unzureichender Name, finden die Analysten. Denn längst sei der Markt von großen, institutionellen Geldgebern durchdrungen. Denn noch jung und ungeregelt wie er ist, bietet er ihnen jede Menge Renditechancen.

Wer nutzt die Online-Kredite?

Zwar sind Peer-to-Peer-Kredite derzeit nicht die am meisten verbreitete Form der Finanzierung, in den USA liegt deren Anteil bei gerade einmal einem Prozent. Jedoch nutzen gerade junge Leute – „Millenials“ – offenbar ganz gerne diese Kredite. In der AlphaWise-Umfrage von Morgan Stanley, bei der rund 3000 Konsumenten zu ihrem Kreditverhalten befragt wurden, gab jeder dritte Teilnehmer zwischen 18 und 34 Jahren an, einen Kredit über eine der Plattformen aufgenommen zu haben. 48 Prozent von ihnen haben schon einmal etwas von Peer-to-Peer-Krediten gehört. Zum Vergleich: Nur ein Viertel der Teilnehmer älter als 55 Jahre hat überhaupt von Peer-to-Peer-Krediten gehört. Gerade einmal zwei Prozent haben sie bereits in Anspruch genommen.

Kommentare zu " Online-Kreditplattformen: Schulden machen ohne Banken boomt"

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  • Vorsicht bei privaten Anbietern ist geboten. Mein Bekannter registrierte sich bei creditex online und sofort waren 2,5% der Kreditsumme als Gebühren fällig. Als er daraufhin seine Kreditabsicht widerrief, stellte er fest, dass die Firma angeblich in Deutschland sitzt, dort aber nur ein Fax, kein Telefon hat. Eine Postfachadresse in den Niederlanden und eine e-mail Adresse. 1 Jahr lang versuchte dann eine Hamburger Kanzlei die Gebühr für die Registrierung von knapp 100 Euro einzutreiben, wobei zum Schluss die etwa 3-fache Summe wegen der Anwalt Kosten gefordert wurde bei Kündigung vor Ablauf von 2 Wochen und Nichtinanspruchnnahme des Kredits. der Grund der Kündigung waren die anfangs nicht erkennbaren Zinsen von 8% p.a. im Jahr 2013.

  • "Warum sollte es für die Gesellschaft ein Vorteil sein, wenn sich immer mehr Menschen immer schneller und einfacher verschulden können? Welche Auswirkungen hat es für eine Volkswirtschaft, wenn die Menschen dieser Volkswirtschaft mehr Schulden als Guthaben aufweist?"

    Kommt ganz drauf an, was die Menschen mit dem Geld anstellen.

    Das hat schließlich keinen eigenen Wert, sondern ist letzten Endes nur Mittel zum Zweck. Idealerweise einem, von dem die ganze Gesellschaft etwas hat.

  • Ob dieser Markt eine Zukunft hat, dass hängt von den Rahmenbedinungen und den Kosten ab. Wie hoch sind die Gebühren? Kann sich der Zins ändern? Was passiert, wenn der Schuldner nicht mehr zahlt...Sicherheiten? Warum sollte es für die Gesellschaft ein Vorteil sein, wenn sich immer mehr Menschen immer schneller und einfacher verschulden können? Welche Auswirkungen hat es für eine Volkswirtschaft, wenn die Menschen dieser Volkswirtschaft mehr Schulden als Guthaben aufweist?

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