Optimiertes Investment
Emotionslose Geldanlage mit dem Computer

Mit Computerprogrammen können Investoren Börsentrends aufspüren, ohne sich von kurzfristigen Kursschwankungen beeindrucken zu lassen. Die quantitative Anlagemodelle nach Vorschrift schneiden im Vergleich oft deutlich besser ab. Denn Computer kennen keine Angst.
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FRANKFURT. Die Investoren von Aktienfonds müssen sich entscheiden: Wollen sie in passiv verwaltete Indexfonds (ETF) anlegen, müssen sie mit der Marktrendite Vorlieb nehmen. Wollen sie die Chance auf mehr Gewinn als die Börsen bieten, kaufen sie aktiv gemanagte Aktienfonds. Doch auch die müssen sich an der Kursentwicklung von Aktien, Rohstoffen oder Renten orientieren und die steigen und fallen derzeit besonders stark. Abhilfe sollen quantitative Anlagemodelle schaffen. Deren Computerprogramme spüren Börsentrends auf und sollen die Auswirkungen von Kursschwankungen auf die Fonds reduzieren.

„Bei einer geeigneten Auswahl der Parameter kann durchaus eine Verstetigung der Wertentwicklung erzielt werden“, sagt Andreas Köchling von Feri Euro-Rating Services. Der Computer wählt die Aktien auf Basis fundamentaler Daten oder charttechnischer Signale aus. „Eine quantitative Strategie führt natürlich auch zu einer gewissen Volatilität“, schränkt Köchling ein. „Ein Vorteil ist aber, dass man dem Computer direkt Grenz- oder Zielwerte geben kann.“

Die Kriterien sind für alle Aktien im festgelegten Anlageuniversum gleich. Es werden keine emotionalen Entscheidungen getroffen. Der Computer kauft und verkauft streng nach Vorschrift. Nur die Haltedauer der Einzeltitel variiert. Denn sobald sich eine Aktienkennzahl ändert, verkauft der Computer die Position. Vor allem im Intraday-Handel, dem An- und Verkauf eines Wertpapiers innerhalb eines Tages, sind die quantitativen Strategien nach Expertenurteil erfolgreich: „Charttechnisch getriebene Modelle sind im Sekundenhandel einsetzbar, die fundamentalen Faktoren benötigen deutlich längere Intervalle“, sagt Köchling von Feri.

Entscheidend für die Wertentwicklung quantitativer Aktienfonds ist auch die Gewichtung der vom Computer ausgewählten Wertpapiere. Die Auswahl erfolgt mit technischen Indikatoren aus der Charttechnik. „Wir entscheiden emotionslos mit einem Trendfolgesystem“, erklärt Andreas Wimmer, Vorstandsmitglied von C-Quadrat, einem Anbieter quantitativer Dach- und Aktienfonds. Seine Produkte können von steigenden Börsen profitieren oder auch ganz aus dem Markt aussteigen. Nur Shortstrategien verfolgen sie nicht.

„Unser System bildet nicht jeden Markttrend sofort ab, es schichtet wöchentlich um“, sagt Wimmer. Vor allem bei Aufwärtsbewegungen der Börse können aber bis zu drei Monate vergehen, bis der Computer Alarm schlägt. „Denn um einen Markttrend zu erkennen, brauchen wir möglichst langfristige Marktschwankungen“, sagt Wimmer. Die Experten von Man Investments, die quantitative Strategien für Hedgefonds einsetzen, erklären das so: Je größer die Marktschwankungen, desto kleiner die Position eines Wertpapiers. Beruhigt sich der Markt dagegen, stocken die quantitativen Fonds ihre Aktienpositionen wieder auf. Somit hängt die nachweisbar stetigere Wertentwicklung eines vom Computer gesteuerten Aktienfonds zwar auch mit dem verzögerten Einstieg in den Markt ab. Die Unabhängigkeit vom Börsengeschehen jedoch kann ein quantitativer Aktienfonds jederzeit gewährleisten.

Kommentare zu " Optimiertes Investment: Emotionslose Geldanlage mit dem Computer"

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  • Man stelle sich vor, es gäbe tatsächlich ein Programm, das die Kurse vorausberechnen könnte. Dies würde nach meiner Meinung einen Widerspruch in sich bedeuten. Würde dieses Programm steigende Kurse prognostizieren, würden die (vernünftig handelnden) Anleger Aktien kaufen, was die Kurse weiter in die Höhe treiben würde. Würde das Programm fallende Kurse prognostizieren, würden die Anleger verkaufen und auch dadurch den Trend verstärken.
    Ein derartiges Programm würde den Glücksspielcharakter der börse nurmehr verstärken. Nur die, die "rechtzeitig ein- oder aussteigen", können gewinnen.

  • Man stelle sich vor, es gäbe tatsächlich ein Programm, das die Kurse vorausberechnen könnte. Dies würde nach meiner Meinung einen Widerspruch in sich bedeuten. Würde dieses Programm steigende Kurse prognostizieren, würden die (vernünftig handelnden) Anleger Aktien kaufen, was die Kurse weiter in die Höhe treiben würde. Würde das Programm fallende Kurse prognostizieren, würden die Anleger verkaufen und auch dadurch den Trend verstärken.
    Ein derartiges Programm würde den Glücksspielcharakter der börse nurmehr verstärken. Nur die, die "rechtzeitig ein- oder aussteigen", können gewinnen.

  • Das stimmt alles in der Theorie, doch entscheidet die Einstellung (Justierung) der passenden Parameter über den Erfolg. ich mache das seit rund 10 Jahren erfolgreich, verfolge, was der Markt sonst noch hergibt und stelle fest: Die wenigsten Fonds sind erfolgreich - trotz Computer. beispiel Eick mit seinen Oppenheim Multi invest-Fonds: Trotz angeblich mathematischem Computermodell haben seine Fonds den Anstieg des DAX seit März völlig negiert, die Fonds sind sogar im MiNUS. Fazit: Ein schlechtes Computermodell taugt eben auch nichts oder wenn es gut ist, der Manager aber doch wieder eingreift (weil er ihm nicht raut) dann ist alles nichts. ich kenne bisher nur zwei funktionierende Modelle und eines davon nutze ich. Es braucht keine "drei Monate", um zum Einstieg zu blasen, da reichen wenige Tage. Denn der Markt hat ja auch begründet gedreht. Also muß man DAS modellieren.

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