Optimismus nach EU-Beitritt ist verflogen
Experten raten von Aktien aus Osteuropa ab

HB/Bloomberg LONDON. Die Kursrally, die an Osteuropas Aktienmärkten nach dem EU-Beitritt von acht Staaten aus der Region eingesetzt hatte, ist offenbar ausgelaufen. Investoren rechnen mit weiteren Kursverlusten, weil sich das Gewinnwachstum in Osteuropa und die Weltwirtschaft abschwächen werden.

Der CECE-Traded-Index, der 25 Werte aus Tschechien, Ungarn und Polen enthält, ist seit seinem Rekordhoch Anfang März um 16 Prozent gefallen. Das Kursbarometer für Osteuropa hat dabei mehr verloren als der Aktienindex MSCI Emerging Markets, der seit dem Hoch vom 28. Februar um 9,8 Prozent gesunken ist. „Die Osteuropa-Geschichte ist ausgereizt,“ sagt Slim Feriani, Fondsmanager bei Progressive Developing Markets. „Die Kurse sind auf einem Niveau, das mit dem Gewinnwachstum nicht zu rechtfertigen ist.“

Unter Abgabedruck stehen insbesondere Aktien von Telekomunikacja Polska (TPSA), Polens größter Telekomgesellschaft, und Komercni Banka, der drittgrößten tschechischen Bank. Beide Unternehmen hatten zuvor einen Gewinnrückgang gemeldet. Zu den Kursverlusten in Osteuropa beigetragen haben auch Bedenken, dass die steigenden US-Zinsen den weltweiten Konjunkturaufschwung abbremsen werden. Tony Dolphin, Abteilungsdirektor bei Henderson Global Investors, erwartet bei osteuropäischen Aktien weitere Kursverluste, sollte der US-Leitzins bis Jahresende auf vier Prozent steigen. Die US-Notenbank (Fed) tagt heute. 81 von Bloomberg befragte Ökonomen erwarten einhellig, dass die Fed den Zielzinssatz auf drei Prozent anhebt.

„Die Leute bewegen sich auf den Ausgang zu, aber sie rennen noch nicht davon“, beschreibt Dolphin die Stimmung unter Investoren in Osteuropa. An einzelnen Börsen der neuen Mitgliedstaaten dauert die Kursrally noch an. Der slowakische SKSM-Index etwa hat sich auf Dollar-Basis fast verdreifacht. Die Kursgewinne spiegeln den Optimismus wider, dass die Volkswirtschaften von der Abschaffung von Handelsbarrieren profitieren werden.

In Bulgarien und Rumänien, die in der vergangenen Woche die Verträge zum EU-Beitritt unterschrieben haben, summiert sich das Kursplus für die vergangenen zwölf Monate auf 78 Prozent beziehungsweise 101 Prozent. Oleg Biryulyov, Fondsmanager von JP Morgan Fleming Asset Management, rechnet aber auch hier nicht damit, dass sich der Trend fortsetzt.

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