Optimisten werten den jüngsten Preisrückgang als günstige Einstiegschance
Rohstoff-Bullen glauben an Superzyklus

Trotz der jüngsten Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten ist der Glaube an einen Superzyklus bei den Rohstoff-Optimisten nicht erschüttert. Die jüngsten Zahlen belegen zumindest, dass Rohstoffe im ersten Quartal des Jahres 2005 Aktien als attraktivste Anlageform den Rang abgelaufen haben.

FRANKFURT/M. „Die schwachen Preise bieten Anlegern möglicherweise die letzte Chance auf den Einstieg in diese lange Zeit vernachlässigte Anlageklasse“, sagt der wohl populärste Vertreter dieser Gruppe, Jim Rogers, der vor vielen Jahren Partner des weltbekannten Hedge-Fonds-Managers George Soros war. Solche Preiskorrekturen seien die „letzte Chance, auf den fahrenden Zug aufzuspringen“, sagte Rogers gegenüber dieser Zeitung.

Die jüngsten Zahlen belegen zumindest, dass Rohstoffe im ersten Quartal des Jahres 2005 Aktien als attraktivste Anlageform den Rang abgelaufen haben. In den ersten drei Monaten gewann der CRB-Rohstoffindex 10,8 Prozent. Aktien veränderten sich – gemessen am MSCI-Weltaktienindex – praktisch nicht, wobei es vor allem den Rohstofftiteln zuzurechnen ist, dass die wichtigsten Indizes nicht im Minus landeten. Mit gerade einmal 0,9 Prozent fiel auch das Plus von Staatsanleihen sehr mager aus.

Ungeachtet der Statistik scheiden sich die Geister der Experten, wenn es um die weiteren Perspektiven von Rohstoffinvestments geht. Pessimisten wie die Strategen des Finanzhauses Canaccord Capital zweifeln an der Nachhaltigkeit des Preisaufschwungs. Sie verweisen wie viele andere auf den in der Vergangenheit stark zyklischen Charakter der Rohstoffmärkte. In früheren Zyklen hatten hohe Rohstoffpreise steigende Investitionen, ein höheres Angebot und in der Folge wieder rückläufige Preise zur Folge.

Ein Blick auf die Asset-Allocation bekannter Investmentbanken wie beispielsweise von Morgan Stanley und JP Morgan zeigt dabei, dass diese Adressen nicht an die Beständigkeit der Hausse glauben. Dort spielen Rohstoffanlagen in den Musterdepots kaum eine Rolle.

Vertreter des Bullenlagers wie die Fondsmanager von Merrill Lynch Investment Managers sprechen indes weiter vom Rohstoff-Superzyklus. Sie argumentieren, die Lage habe sich durch das Auftauchen einen Faktors auf der Nachfrageseite – die Volksrepublik China – zugespitzt. Daher seien rückläufige Preise nur eine Korrektur im Haussetrend.

Auch Goldman Sachs setzt auf diese Entwicklung. Die Analysten des US-Hauses hatten die Finanzmärkte zuletzt mit der Prognose einer „Super-Spitze“ des Rohölpreises von 105 Dollar je Barrel aufgeschreckt. Auch Klaus Martini, Global Chief Investment Officer für das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank, sieht die Rohstoffpreise wegen der starken Nachfrage Chinas weiter gut unterstützt.

Hans-Peter Loosli – Vermögensverwalter beim weltgrößten Vermögensverwalter UBS und mitverantwortlich für rund 1 000 Mrd. Euro an Geldern gehobener Privat- und Firmenkunden – schließt sich den Rohstoff-Optimisten an. Er sieht diese Anlageklasse „am Anfang eines langfristigen Bullenmarktes“. Kurzfristig seien diese Märkte zwar überhitzt. „Aber“, so seine Empfehlung, „fünf bis zehn Prozent eines internationalen Portfolios sollte man in diesen Sektor investieren.“

Wenn es an die konkreten Entscheidungen geht, zieht Loosli Terminkontrakte den Rohstoffaktien vor, „weil die allgemeine Börsenverfassung auch die Rohstofftitel beeinflusst“. Der Energie- und Metallbereich bleibe besonders gefragt. Bisher scheinen nur wenige Anleger investiert zu sein. Das gilt insbesondere für die wichtigste – weil finanzstärkste – Investorengruppe. Zwei von drei großen institutionellen Anlegern sind in Rohstoffen noch gar nicht vertreten. Das ergab eine Konferenz von Barclays Capital.

Die spannendste Nachricht dieser Veranstaltung aber war: Zwei Drittel der Institute wollen in den nächsten zwei Jahren Engagements von fünf Prozent oder mehr ihres Vermögens in Rohstoffen aufbauen. Das wäre ein Motor für zukünftige Preissteigerungen.

Vertreter der Minenbranche äußern sich – wie kaum anders zu erwarten – zustimmend zum optimistischen Ausblick. „Der Syperzyklus für Commodities ist erst am Anfang“, sagt beispielsweise Rick van Nieuwenhuyse, Chef der Minengesellschaft Novagold Resources. Er kann sich dabei auf die Rückendeckung der größten unabhängigen Fondsgesellschaft berufen: „Fidelity ist unser größter Aktionär.“

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