Osteuropa
Anleger sehen Osteuropa mit kritischen Augen

Die Volkswirtschaften Osteuropas stehen weiter unter hohem Druck. IWF, EU und Europäische Zentralbank mühen sich, die Stabilität der Region aufrechtzuerhalten. Zwar sehen viele Anleger große Chancen in den Schwellenländern - um Osteuropa machen jedoch viele einen Bogen.

FRANKFURT. Dass die Finanzkrise die Volkswirtschaften Osteuropas mit voller Wucht getroffen hat, ist nicht nur an aktuellen Krisenmeldungen des dortigen Bankensystems zu erkennen. Auch die Entwicklung der Wertpapierbörsen in Ost- und Zentraleuropa reflektiert die Sorgen beunruhigter Investoren. "Osteuropas Volkswirtschaften stehen weiter stark unter Druck", heißt es bei den Fachleuten von Raiffeisen Capital Management in Wien. Wie ernst die Lage ist, zeige sich in der Kooperation des IWF, der EU und der EZB, die sich bemühen, die Stabilität der gesamten Region aufrechtzuerhalten.

Ein Blick auf repräsentative Aktienindizes zeigt das Dilemma dieser Region. Während sich der MSCI-Gesamtindex für Emerging Markets seit Beginn des Jahres um 35 Prozent erholt hat, fällt der Kursaufschwung an osteuropäischen Wertpapierbörsen mit knapp 28 Prozent geringer aus. Ein großer Teil dieser positiven Wertentwicklung ist auf den starken Kursanstieg russischer Aktien zurückzuführen. Die Börse Moskau profitierte von kräftig gestiegenen Energiepreisen. Streicht man diesen Einfluss, so ergibt sich für die Region Osteuropa ein völlig anderes Bild. Denn der MSCI-Index Osteuropa (ex Russland) hat sich seit Beginn 2009 nur um 1,1 Prozent erholt.

Einhellig sind Analysten der Meinung, dass Investments in Emerging Markets generell attraktiv sind. Doch um Osteuropa machen viele einen großen Bogen. Das Marktumfeld für Schwellenländeraktien sei günstig, sagt Maarten-Jan Bakkum von ING Investment Management. "Dort gibt es generell ein deutlich besseres Wachstum als in den weiter fortgeschrittenen Volkswirtschaften", sagt Paul Mortimer-Lee von BNP Paribas. "Auch wir bevorzugen bei Aktieninvestments derzeit Schwellenmärkte im Vergleich zu den Industrieländern", sagt Stefan Keitel, Chief Investment Officer von Credit Suisse dem Handelsblatt. Der generelle Optimismus verlange jedoch eine detaillierte Betrachtung.

Derzeit biete sich auf Seiten der Anleger vor allem für Asien und Lateinamerika eine positive Sicht an, sagt Mortimer-Lee. Hingegen sieht Keitel die EMEA-Region - also die Börsen in Osteuropa, in Nahost und Afrika - noch immer einem großen Gesamtrisiko ausgesetzt. "Dies ist die von uns am wenigsten bevorzugte Region", sagt er. Osteuropa bietet sich für Investoren auch nach Meinung von Mortimer-Lee zuallerletzt an. Grund: der Ausblick werde hier durch zahlreiche Probleme vor allem im Bankenwesen getrübt. Expressis verbis nennen Experten für die Länder dieser Region die an in Fremdwährungen bestehenden Auslandsverbindlichkeiten als größte Last.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%