Patentstreit um Medikament von Sanofi-Aventis belastet europäische Indexfonds überproportional
Experten empfehlen breite Streuung bei Pharmatiteln

In der Pharma- oder Biotech-Branche auf die Aktie eines einzelnen Unternehmens zu vertrauen ist ein Spiel mit höchstem Risiko.

HB HAMBURG. Ein dramatisches Beispiel vom Februar: Biogen Idec und Elan gaben bekannt, dass sie ihr gemeinsam vermarktetes Multiple-Sklerose-Medikament Tysabri kurz nach der Zulassung vom Markt nehmen. Daraufhin brach die Biogen-Aktie innerhalb von Minuten um fast 50 Prozent ein, Elan fiel in der Spitze um mehr als 80 Prozent.

Ähnlich extreme Kursstürze sind beim französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis kaum zu erwarten. Zwar erklärte ein US-Gericht in der vergangenen Woche dessen Patent für das Blutverdünnungsmittel Lovenox in erster Instanz für ungültig. Von diesem Medikament ist Sanofi-Aventis jedoch nicht annähernd so abhängig wie Elan von Tysabri. Gleichwohl verlor die Aktie sofort knapp 6 Prozent an Wert und demonstrierte, auf welch schmalem Grat sich manche Indexfonds bewegen. So besteht der ausschließlich in Euroland investierende Dow Jones Euro Stoxx Health Care der Münchener Gesellschaft Indexchange, der per Ende Mai die Rangliste der auf Pharma- und Biotech-Aktien spezialisierten Branchenfonds anführt, zu knapp 67 Prozent aus diesem einen Wert (Tabelle). Beim auf Rang drei liegenden Dow Jones Stoxx 600 Health Care, der innerhalb Europas auch britische und Schweizer Werte mit einbezieht, sind es immerhin noch 14 Prozent.

In diesen Situationen können Käufer traditioneller Investmentfonds froh sein, dass der Gesetzgeber deren Managern eine maximale Portfolioquote von zehn Prozent für ein einzelnes Unternehmen vorschreibt. Selbst diese Quote schöpft der auf Rang zehn liegende Thomas Bucher im DWS PharmaMed bei Sanofi-Aventis nicht aus. Die Aktie kommt auf knapp fünf Prozent. Im Vergleich zur Benchmark MSCI World Healthcare ist Bucher dennoch leicht übergewichtet und will es auch bleiben: „Der Produktionsprozess ist so kompliziert, dass selbst bei einem endgültigen Verlust des Lovenox-Patents in den höheren Gerichtsinstanzen auf absehbare Zeit kaum Nachahmerprodukte auf den Markt kommen sollten.“

Und doch: Der zunehmende Druck durch Generika-Hersteller ist einer der Gründe, warum der DWS-Manager den Pharma-Sektor derzeit eher untergewichtet. „Es gibt eine ganze Reihe anderer Segmente im Gesundheitswesen, die spannender sind“, sagt er und verweist unter anderem auf die Medizintechnik. Auch die Biotechnologie, deren Anteil am Portfolio er in den vergangenen Wochen ebenfalls wieder ausgebaut hat, biete enorme Chancen. Das hätten nicht zuletzt die jüngsten Zukäufe von Pfizer in diesem Segment gezeigt. Langfristig betrachtet seien jedoch auch Pfizer und die anderen großen Pharma-Produzenten – gut gestreut – eine Bereicherung für jedes Depot: „Dafür spricht allein schon die demographische Entwicklung, die zwangsläufig zu deutlich steigenden Gesundheitskosten führen wird.“

Egon Wachtendorf, Der Fonds

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