Paul Singer
„Zinsen in 5000 Jahren nie so niedrig“

Hedgefonds-Manager Paul Singer spricht von einer Riesenblase am Anleihenmarkt, die fatale Folgen haben kann: „Wir leben in einer sehr gefährlichen Zeit“. Er steht mit seinen Sorgen nicht allein.

New YorkPaul Singer scheut keine dramatischen Worte. „Die Zinsen waren seit 5000 Jahren noch nie so niedrig wie heute“, sagt der Gründer und Chef des Hedgefonds Elliott Management, „wir leben in einer sehr gefährlichen Zeit“. Der Anleihemarkt erlebt seiner Meinung „die größte Blase, die es je gegeben hat“, wie er in New York auf der Konferenz „Delivering Alpha“ kundtat. Rückblickend erzählt er, wie er im Jahr 2007 in Amerika und Deutschland Politiker gewarnt hat, dass das internationale Finanzsystem überschuldet ist. Die Deutschen hätten ihm etwas mehr zugehört als die Amerikaner, aber auch keine Konsequenzen daraus gezogen. Dann kam die Finanzkrise.

Jetzt warnt Singer wieder. Er spricht von einem international „fragilen Finanzsystem“ und fürchtet neben einem Einbruch der Anleihemärkte auch ein Anspringen der Inflation. „Es war historisch besehen immer relativ leicht, einer Währung das Fundament zu entziehen“, sagt er. „Diesmal scheint es schwieriger zu sein, aber die Situation kann sich plötzlich ändern.“ Er hält es für einen Trugschluss zu glauben, dass die Preise nicht steigen können, so lange das Wirtschaftswachstum schwach ist.

Auf die Frage nach seinem besten Ratschlag für Anleger sagt er: „Sie sollten mittel bis langfristige Anleihen verkaufen.“ Zinspapiere dienen traditionell dazu, dem Depot Sicherheit zu geben, aber dazu taugen sie seiner Meinung nach nicht mehr. Dagegen tut etwas Gold dem Anlagemix nach gut, sagt er. Singer selbst investiert möglichst unabhängig von breiten Markttrends – häufig, indem er Rendite durch juristische Auseinandersetzungen zu erreichen sucht.

Etwas überraschend bescheinigt Singer der US-Notenbank (Fed) immerhin, dass sie als Reaktion auf die Finanzkrise zunächst richtig reagiert hat. Aber danach hätte die US-Regierung mit einer besseren Finanzpolitik und Deregulierung für Wachstum sorgen müssen, statt die Last allein der Fed zu überlassen. Während Hedgefonds-Manager Ray Dalio wie viele Ökonomen der US-Wirtschaft nicht mehr als 1,5 bis 2,0 Prozent Wachstum zutraut, sind laut Singer bei einer besseren Politik etwa drei Prozent erreichbar.

Zum US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump äußert er sich nicht. Aber seiner Meinung wäre mit Mitt Romney, der die letzte Wahl gegen Barack Obama verlor, ein deutlich höheres Wachstum möglich gewesen. Auch heute würde Singer es für falsch halten, „die Zinsen zu erhöhen und sonst nichts zu tun“. Die dringend nötige Normalisierung der Geldpolitik muss eine wachstumsfreundliche Politik begleitet werden, sagt er. In dem Zusammenhang wagt er die These: „Die Unabhängigkeit der Notenbanken wird überschätzt.“ Sie ist seiner Meinung ohnehin weitgehend Illusion und sollte lieber durch eine vernünftige Zusammenarbeit mit der Regierung ersetzt werden.

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