Pessimismus an der Börse
Analysten säen neue Zweifel

Noch zu Beginn des Jahres sahen die meisten Analysten positiv in die Zukunft. Doch steigende Ölpreise und Sorgen um die US-Konjunktur haben die Stimmung deutlich gedämpft. Viele Anlageberater schauen sich nun in Regionen um, die sie lange Zeit vernachlässigt haben.

FRANKFURT. Nach den jüngsten Verlusten an den Aktienmärkten äußern sich Bankexperten auch für die kommenden Monate immer skeptischer. Herrschte unter Analysten lange Zeit die Meinung vor, dass die Kurse im zweiten Halbjahr wieder anziehen werden, wachsen inzwischen die Zweifel, ob diese Prognosen realistisch sind. Gründe sind die nicht abreißende Serie von Hiobsbotschaften aus dem Finanzsektor, die Sorgen um die US-Konjunktur sowie insbesondere steigende Ölpreise und die sich daraus ergebende Furcht, dass die Inflation angeheizt wird.

Nach Meinung von William de Vijlder, weltweiter Chef-Anlagestratege der Fondsgesellschaft Fortis Investments, ist für die Börsen die aktuelle Phase ganz entscheidend für den weiteren Verlauf des Jahres. Behält er recht, sind die Aussichten eher düster: Belastet durch die wieder aufflammende Finanzkrise, den Ölpreisanstieg sowie die Aussagen von Notenbankern aus den USA und der Euro-Zone, die klarmachten, dass in den USA vorerst keine weiteren Zinssenkungen anstehen und in der Euro-Zone sogar höhere Leitzinsen drohen, fielen die Aktienkurse in den vergangenen Tagen weltweit zurück. Der Deutsche Aktienindex verlor seit Anfang voriger Woche rund 450 Punkte und notiert wieder deutlich unter 7 000 Punkten. Seit Jahresanfang liegt er damit rund 17 Prozent im Minus.

"Für die Aktienmärkte werden die Zeiten schwieriger, in unseren Portfolios sind wir zu einer Untergewichtung von Aktien übergegangen", sagt de Vijlder. Zwar seien Dividendentitel gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nach wie vor nicht überbewertet. Allerdings drohe in den Industrieländern eine stärkere Wachstumsabschwächung. "Vor diesem Hintergrund erscheinen die Gewinnerwartungen zu optimistisch". Im amerikanischen S&P 500 lägen die Gewinne zurzeit 20 Prozent über ihrem Langfristtrend. In einer Rezession könnte sich das Verhältnis umkehren und die Gewinne um bis zu 30 Prozent unter diesen Trend fallen, erwartet der Fortis-Stratege. Damit würden auch die KGV-Bewertungen stark ansteigen.

Mit einem negativen Gewinntrend rechnen auch die Experten der WestLB. Am kräftigsten werden die Gewinnrevisionen ihrer Meinung nach in den USA ausfallen, aber auch in Europa seien weitere Korrekturen zu erwarten. "Wir rechnen nicht damit, dass die europäischen Unternehmen im Jahr 2008 positives Gewinnwachstum erzielen", heißt es in einer aktuellen Studie der Bank. Für die Werte im Dax sei ein Gewinnrückgang um zwei Prozent, für die Werte im europäischen Stoxx-50- Index ein Minus von vier Prozent zu erwarten.

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