Pessimistischer Ausblick
Carrefour mit größtem Kurssturz seit 20 Jahren

Die Aktien von Carrefour stürzen um mehr als 15 Prozent ab. So billig waren die Anteile des weltweit zweitgrößten Einzelhändlers zuletzt vor fünf Jahren. Konzernchef Bompard verspricht Besserung.
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FrankfurtEin pessimistischer Ausblick hat Carrefour am Donnerstag den größten Kurssturz seit 1997 eingebrockt. Die Aktien des weltweit zweitgrößten Einzelhändlers stürzten um mehr als 15 Prozent ab und waren mit 16,50 Euro so billig wie zuletzt vor fünf Jahren. Dabei wechselten innerhalb der ersten 45 Handelsminuten bereits etwa drei Mal so viele Carrefour-Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag.

Das Unternehmen warnte, dass der operative Gewinn 2017 wohl um zwölf Prozent zurückgehen wird. Darüber hinaus schraubte es sein Umsatzziel zurück. Carrefour rechnet zudem nur noch mit einem Umsatzplus von zwei bis vier Prozent auf Basis konstanter Wechselkurse. Bisher waren für 2017 drei bis fünf Prozent eingeplant gewesen.

Das Ergebnis des ersten Halbjahres blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Analysten der Investmentbanken Jefferies und JP Morgan bemängelten, dass das Geschäft in den drei wichtigen Regionen Frankreich, Europa und Argentinien schlechter laufe als gedacht. Der scharfe Wettbewerb in der Branche setzt den Franzosen zu, was sich in geringeren Margen niederschlägt.

Die Kursturbulenzen bei Carrefour brachten auch die anderen europäischen Einzelhändler ins Trudeln. Der europäische Branchenindex verlor gegen den Trend 1,4 Prozent. Zu den größten Verlierern zählten hier Metro, der niederländisch-belgische Konzern Ahold Delhaize und Tesco aus Großbritannien. Ihre Papiere verbilligten sich um bis zu 3,1 Prozent.

Der neue Chef des französischen Einzelhandels-Riesen Carrefour verspricht nach den schwachen Zahlen Besserung. Der erst seit Mitte Juli amtierende Alexandre Bompard sagte am Mittwoch, er werde den Konzern rentabler machen. Die Expansion im Online-Bereich werde beschleunigt - eine Reaktion auf das Engagement von Amazon im Lebensmittelgeschäft, unter anderem mit der 13,7 Milliarden Dollar teuren Übernahme der US-Biokette Whole Foods Market.

Die Struktur von Carrefour solle zudem vereinfacht werden und die riesigen Märkte im Heimatmarkt sollten neuen Schwung bekommen. Der 44-jährige Bompard will bis zum Jahresende Details für den Umbau ausgearbeitet haben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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