Pharma und Medizintechnik profitieren von der alternden Gesellschaft
Demographischer Wandel bewegt die Kurse

Die Überalterung der Bevölkerung in Europa und besonders in Deutschland bringt nicht nur die Sozialsysteme an den Rand des Kollapses. Auch für Anleger ergeben sich enorme Auswirkungen.

DÜSSELDORF. Wer rechtzeitig in diejenigen Branchen investiert, die vom demographischen Wandel profitieren, kann mit überdurchschnittlichen Renditen rechnen. Ganz oben auf der Liste der Profiteure steht der Bereich Pharma und Medizintechnik.

Jürgen Donges, Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln, sieht Folgen sowohl für „das Konsumniveau als auch die Konsumstruktur“. Das heißt, weniger Konsumenten wollen andere Produkte kaufen. „In den nächsten Jahren wird dieser Wandel nur schleichend vor sich gehen“, sagt Wolfgang Sawazki, Chef der Analyseabteilung des Bankhauses Sal. Oppenheim. „Im Jahr 2015 aber werden wir einen explosionsartigen Effekt erleben, wenn die Baby-Boomer ins Rentenalter kommen.“ Dann konsumieren sie weniger, dafür beanspruchen sie mehr Leistungen. Er rät Langfristanlegern, „strategisch in Industrien zu investieren, die vom demographischen Wandel profitieren“. Daneben sollten sie auf Internationalisierung ihrer Kapitalanlagen setzen, da internationale Arbitrage den Renditerückgang begrenze.

Sawazki geht von einem Rückgang der Aktienrendite in den Jahren 2015 bis 2020 auf durchschnittlich gut sieben Prozent aus – gegenüber einer langfristigen nominalen Rendite knapp neun Prozent zwischen 1960 und 2000. Grund seien die schlechteren Absatz- und Gewinnaussichten der Unternehmen wegen der Überkapazitäten. Die Rentenreform verstärkt den Trend. Das Kapital wird zunächst stärker gebunden, bei Renteneintritt aber wieder angeboten. Das drückt die Kurse.

Karl-Heinz Scheunemann, Pharmaanalyst beim Bankhaus Metzler, ist davon überzeugt, dass die Pharma- und Medizintechnikbranche von dieser Entwicklung profitiert. „Der demographische Wandel ist für den Gesundheitssektor ein starker Wachstumstreiber“, sagt er Das gelte grundsätzlich für alle Arzneimittelfirmen, allerdings würden besonders die Unternehmen gewinnen, die sich auf altersbedingte Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Bluthochdruck spezialisiert hätten – wie beispielsweise der Schweizer Konzern Novartis, dessen wichtigstes Produkt ein Bluthochdrucksenker ist. Das deutsche Unternehmen Schering, augenblicklich noch stark im Bereich Empfängnisverhütung, profitiere bei einem schrumpfenden Anteil der Jungen weniger.

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