Plus500 und Atlético Madrid
140.000 Börsenzocker und das Champions-League-Finale

Ärger mit der britischen Finanzaufsicht

Selbst überraschende Entwicklungen wie die Aufwertung des Schweizer Franken zum Euro schadeten der Begeisterung für CFDs offenbar nicht, obwohl das eine ganze Reihe von Händlern auf dem falschen Fuß erwischte. Als die Schweizerische Nationalbank im Januar vergangenen Jahr die Kursgrenze zum Euro aufhob, legte der Franken kräftig zu. Das bescherte manchen Händlern sechsstellige Verluste.

Plus500 gehörte damals nicht dazu. Dafür kämpfte das Unternehmen aber im vergangenen Jahr an einer anderen Front: mit der britischen Finanzaufsicht FCA und einer genaueren Prüfung der Plus500-Geschäftspraktiken durch die Behörde. Das ließ den Aktienkurs massiv einbrechen. Das Unternehmen hat die Konten aller britischen Kunden eingefroren und muss inzwischen mehr Unterlagen als zuvor von seinen Nutzern verlangen, damit diese ihre Identität eindeutig nachweisen und Plus500 Auflagen im Kampf gegen Geldwäsche erfüllt. Der Regulierer hat zudem verlangt, dass die Firma mehr Mitarbeiter einstellt, die sich um die Einhaltung der Regeln der guten Unternehmensführung kümmern.

„Wir haben unsere Lektion aus dieser Sache gelernt“, sagt Haber. Dass es bei dem britischen Ableger überhaupt so weit kommen konnte, erklärt er mit der fehlenden Erfahrung des alten Plus500-Managements auf der Insel. Die entscheidenden Führungskräfte habe man inzwischen ausgetauscht und zusätzliche Leute eingestellt, die mindestens zwanzig Jahre Erfahrung in der Branche haben.

„Wir haben das, was wir in Großbritannien gelernt haben, auch auf andere Teile des Geschäfts übertragen“, betont Haber. Wie viel ihn die Überprüfung des britischen Geschäfts und die Folgen gekostet haben, will er nicht genau sagen. Nur so viel: Man habe Millionen in das Geschäft gesteckt, um die Prozesse zu verbessern.

Die britische Finanzaufsicht FCA hatte im vergangenen Jahr auch massiven Einfluss auf eine andere Entwicklung, die sich bei Plus500 abzeichnete. Die israelische Softwarefirma Playtech wollte den CFD-Anbieter übernehmen, gab den Plan aber am Ende auf. Die Aufsichtsbehörde hatte Playtech signalisiert, dass sie die Übernahme wohl nicht absegnen würde.

Aus Großbritannien heraus bietet Plus500 auch in Deutschland seine Dienste an. Dominiert wird der deutsche Markt aber von den Branchenriesen CMC Markets und IG. Auch die Commerzbank-Tochter Comdirect mischt beim lukrativen CFD-Geschäft mit.

In Großbritannien ist Plus500 eigenen Angaben zufolge auch nach der FCA-Prüfung die Nummer zwei im CFD-Geschäft. Was Plus500 nach Ansicht der Nutzer von anderen Konkurrenten unterscheidet, ist eine technische Plattform, die als besser verständlich und einfacher zu bedienen gilt. Was Gal Haber und seine Studienfreunde sich bei der Gründung des Unternehmens vornahmen, haben sie in dem Punkt offenbar erreicht. Die technische Seite sei auf das Allernotwendigste reduziert, räumt ein Konkurrent ein. Gepaart mit dem aggressiven Marketing des Unternehmens sei das aber eine unheilvolle Kombination, denn es locke Kunden mit wenig Ahnung vom Finanzmarkt und den damit verbundenen Risiken in das Geschäft.

Haber wehrt sich gegen die Kritik. Alle Konkurrenten würden ähnliche Marketingmethoden nutzen. Dass man sein Ziel erreicht habe und eine Nutzeroberfläche geschaffen habe, die anders ist als die der Wettbewerber, quittiert er durch einen kurzen Vergleich mit Atlético Madrid: „Gute Teamarbeit der Gründer – so ähnlich wie bei dem spanischen Fußballverein.“ Der bestünde auch nicht aus einzelnen Stars, sondern aus einem guten Team. Wie weit das den Verein in der Königsklasse des Fußballs bringt, wird sich am Samstagabend zeigen.

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