Politik: Kunden sollen für Finanzberatung zahlen

Politik
Kunden sollen für Finanzberatung zahlen

CDU und SPD fördern nun beide die Honorarberatung. Sie wollen ein Gegengewicht zum bisher üblichen Produktverkauf aufbauen, bei dem Vermittler mit Provisionen der Anbieter entlohnt werden.
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BerlinDie SPD bringt Bewegung in die Debatte um eine unabhängige Finanzberatung. Heute bringt die Oppositonspartei einen Antrag mit dem Titel „Verbraucherschutz stärken – Honorarberatung etablieren“ auf den Weg. Damit zwingt sie die Bundesregierung, sich mit dem Thema wieder auseinanderzusetzen.

Ein Sprecher der CDU/CSU-Fraktion verwies gegenüber dem Handelsblatt darauf, Finanzministerium, Wirtschaftsministerium und das Justizministerium hätten zu erkennen gegeben, dass sie eine Stärkung der Honorarberatung durch einen entsprechenden rechtlichen Rahmen grundsätzlich unterstützen. In die weiteren Überlegungen zur Honorarberatung würden auch die aktuellen europäischen Entwicklungen einbezogen.

Ursprünglich hatte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) die Initiative ergriffen. Sie will das Berufsbild des Honorarberaters gesetzlich regeln. „Ziel ist dabei, dass sich die Verbraucher in allen finanziellen Angelegenheiten, also etwa bei der Geldanlage, bei Versicherungen oder wenn es um Kredite geht, unabhängig und kompetent beraten lassen können“, hatte die Ministerin im Interview mit dem Handelsblatt erklärt.

Wie viel der Verbraucher dann dafür zahlt, ist noch unklar. Der Preis sei relativ, erklärte die Ministerin dazu: „Mit dem von uns per Gesetz eingeführten Produktinformationsblatt wird doch heute schon sichtbar, dass auch die vermeintlich kostenlose Beratung bei einer Bank nicht umsonst ist. Nichts ist kostenlos auf dieser Welt.“ Deswegen sei der Honorarberater, der nicht vom Verkauf teurer Produkte profitiere, eine interessante Alternative für die Verbraucher, ähnlich wie ein Steuerberater.

Die Beratung gegen Honorar trifft bei Anlegern nach den Erfahrungen in der Finanzkrise auf zunehmendes Interesse. Viele Kunden fühlten sich von Bankberatern und Finanzvermittlern, die Provisionen für den Verkauf von Produkten bekommen, schlecht beraten, sagen Experten. In der Provisionsberatung verdient ein Berater am besten, wenn er besonders viele Produkte verkauft, für die von den Anbietern besonders hohe Provisionen gezahlt werden. Das müssen nicht unbedingt die besten Angebote für den jeweiligen Kunden sein.

Bankberater waren zuletzt vor allem in die Kritik geraten, weil sie Kunden beispielsweise zum Kauf von Lehmann-Zertifikaten geraten hatten, die mit der Pleite der US-Bank wertlos wurden. Die Berater hatten häufig nicht darauf hingewiesen, dass ein Totalausfall bei einer Insolvenz des Emittenten drohen kann.

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Honorarberatung führt noch ein Schattendasein

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  • Also der Vorschlag mit "ZUWAX" ist nicht wirklich ernst gemeint gewesen, oder?
    Mag sein, das ich das falsch in Erinnerung habe, aber da werden doch nur ETFs gehandelt, oder?
    Also entweder sollte das eine versteckte Werbung sein, oder da hat jemand nur Basiswissen. Es gibt eine gross Zahl an Fonds, deren Strategien man mit ETFs eben NICHT darstellen kann und die auch seit langem schon Indizes outperformen. Aber was führe ich hier den Glaubenskrieg ETF gegen aktiv gemanagt! ;-)

    @Topic: Das beste Argument kam gerade ein paar beiträge höher. Wahlfreiheit des Kunden ist die Lösung. Desweiteren wäre es wünschenswert, das ALLE Tarife bei den Versicherungen sowohl von einem Honorarberater, als auch einem "bösen ewig und immer nur raffgierig arbeitenden - JA das ist IRONISCH gemeint^^" Provisionsvermittler vermittelt werden können. Einige "Perlen" der Geldanlage sind eben nicht allen Vermittlern zugängig! ;-)

  • Der hier vorgetragene Vorschlag impliziert, dass Banken und Versicherungen heute inkompetente Berater sein sollen. Was steckt dann noch hinter den Berufsbildern Bank- und Versicherungskaufmann?

    Vieleicht hätte es auch ausgereicht, diese Ausbildung auszumisten und aufzufrischen.

    Vielleicht ist es so. Aber das öffentlich zu machen, das hat schon etwas.

    Wenn man schon am Aufräumen ist, dann sollte dies auch bei den Abgeordneten selbst erfolgen. Da gibt es offensichtlich solche, die zu Themen auch etwas zu sagen haben, von denen sie keine Ahnung haben. Weil es aber schick sein soll, wollen sie sich unbedingt auch dazu äußern. Gedacht ist hier an das Thema: Transaktionssteuer.

    Da gibt es noch nicht einen Abgeordneten, der weiß was und wo diese Steuer bewirkt. Skandalös wie das Riester-Desaster oder die „alternativlose Entscheidung“ zum Rettungsschirm. Ohne diesen Geldtransfer hätten die Griechen die Panzer nicht bezahlen können. Und genau dafür sollen wir die Transaktionssteuer brauchen.

    Es sollte ernsthaft und laut über die grundsätzliche Aufhebung der Immunität und eine einschlägige Ausbildung der Abgeordneten zur Verbesserung deren Qualität nachgedacht werden.

  • na das wäre ja egal. Es kommt nicht nur auf die Kosten an, sondern auf den NUtzen. Aber wie man Ihnen schön sieht: Genau daran krankt es in Deutschland. Es geht nur um billig und möglichst schlecht.

    Riester, Rürup, LV, Anleihen . . .verbrennt Eurer Geld nur weiter ;-))

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