Politischer Umbruch lockt ausländische Anleger an – Tristesse am russischen Aktienmarkt
Die Ukraine ist der Überflieger im Osten

„Die Früchte der orangenen Revolution zu ernten“, empfehlen immer mehr Osteuropa-Experten. Die Rede ist von der Ukraine. Und in Kiew geben sich nach dem Wahlsieg des liberalen Oppositionsführers Viktor Juschtschenko Investmentbanker die Klinken in die Hände – in der Hoffnung auf durchgreifende marktwirtschaftliche Reformen und die Herausbildung eines starken Finanzmarktes.

HB KIEW/MOSKAU.Dabei hat der ukrainische PFTS-Index im vorigen Jahr mit einer Verdreifachung den Moskauer RTS-Index, der 8,3 Prozent zulegte, um Längen geschlagen. Die Affäre um den Ölkonzern Yukos hatte den russischen Aktienmarkt belastet.

„Revolutionen ziehen Investoren an“, begründet Andrej Snigirjow, Chef der ukrainischen Tochter der Moskauer Alfa-Bank, den Run auf die Ukraine. Denn das Reformprogramm und die bevorstehende Annäherung des Landes an die Europäische Union wecken Hoffnungen. Als erste stehen dabei russische Investmentbanken in den Startlöchern, doch auch erste westliche Institute wie die Genfer Lombard Odier Darier Hentsch & Cie. mischen inzwischen Ukraine-Titel in ihre Fonds. „Juschtschenkos Sieg ist der Katalysator, der dem Markt viele Jahre gefehlt hat“, meint Fondsmanager John Coast Sullenger. Ökonomisch spreche das mit zwölf Prozent stärkste Wirtschaftswachstum Europas für das Land. Das Moskauer Brokerhaus Aton hingegen spricht bereits von einer Blase, die sich an der Börse in Kiew bilde.

Boris Nemzow, russischer liberaler Parteichef und inzwischen auch Berater des ukrainischen Präsidenten, hingegen erwartet die „einmalige Chance“, dass das wegen der Verschlechterung des Investitionsklimas aus Russland flüchtendes Kapital in die Ukraine fließen könnte. Dazu müsse aber die grassierende Diskussion um die Reprivatisierung von Unternehmen, die der frühere Staatschef Leonid Kutschma ihm nahe stehenden Unternehmern zugeschanzt hatte, sofort aufhören.

Doch es gibt nach Meinung von Osteuropa-Experten auch noch andere Gründe zum Abwarten: „Die Aktienkurse in der Ukraine sind schon stark gestiegen“, sagt Alexander Branis von Prosperity Capital. Er hält ukrainische Titel für „viel riskanter“, russische Aktien für billiger sowie Transparenz und Management (Corporate Governance) in Russland für besser. Diese Meinung teilt auch Eric Verkerk von der Raiffeisen Centrobank in Wien: Der ukrainische Markt sei noch zu klein, zu illiquide, und es gebe keine guten Informationsquellen über ukrainische Firmen, die zumeist nicht nach internationalen Buchhaltungsstandards bilanzierten. Die Ukraine sei „ein sehr interessanter Markt“, so Verkerk, aber man müsse „noch vorsichtig sein“.

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