Preise steigen wieder
Rohstoffe zwischen Superzyklus und Blase

Die Preise der meisten Rohstoffe wie Öl, Kupfer, Weizen und sogar Soja steigen inzwischen wieder massiv an. Die einen halten das für eine historische Investmentchance, die anderen warnen vor der nächsten Blase. Wer hat Recht?
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Fasziniert steht Ralf Wessing vor einem Schaubild in Raum 30 des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum. Erzklumpen aus den rumänischen Karpaten, aus Südafrika und der Kiruna-Mine in Lappland sind hinter Glas zu bestaunen. Gold-, Silber-, Nickel-, Zink- und Bleierze funkeln in allen Farben. Während seine beiden Kinder quengeln, weil sie lieber eine Etage tiefer in den Schacht einfahren wollen, kann Wessing sich nicht losreißen. "Seit zwei, drei Jahren interessiere ich mich brennend für Metalle", so der 43-Jährige, "ich hätte nie gedacht, dass sie so schön sein können."

Wessings Interesse ist nicht nur geologisch. Vor drei Jahren kaufte er erstmals Rohstoffaktien wie BHP Billiton und Rio Tinto, Zertifikate auf Kupfer und Nickel sowie einen Fonds von Merrill Lynch, heute Blackrock. "Ich bin vom Technologie- zum Rohstoff-Fan mutiert", grinst der Programmierer, "das waren mit die besten Investments, die ich je getätigt habe." Jetzt denke er aber ernsthaft über Verkäufe und Gewinnmitnahmen nach. "Ich sage mir, 400 Prozent Gewinn sind genug, nun sei mal nicht so gierig."

Als die Kreditkrise an den Finanzmärkten hochkochte, fiel fast alles – auch die Rohstoffpreise. Was im Boom am stärksten gestiegen war, kam am schärfsten unter die Räder: Industrierohstoffe wie Kupfer und Öl, weniger getroffen waren die Agrargüter. Jetzt hat sich das Blatt erneut gewendet: Öl ist so teuer wie nie, die Agrarhausse spürt jeder Gemüsekäufer, auch die Metallpreise erholten sich wieder. Also doch nur ein kleines Sommerloch statt Auftakt zur großen Preisschmelze?

Die Rohstoffmärkte reagierten erleichtert auf die kräftige Zinssenkung der US-Notenbank am 18. September. Sorgen, die US-Wirtschaft könne wegen der Kreditklemme in eine Rezession geraten, den Rest der Welt mit nach unten ziehen und die Nachfrage nach Rohstoffen bremsen, verflogen – Konjunkturschwäche vielleicht, aber kein Einbruch. Den erlebte der Dollar. Seit Mitte August, als die Spekulation auf eine US-Leitzinssenkung begann, verlor die Währung gegenüber dem Euro sieben Prozent. Das beherzte Eingreifen von US-Notenbankchef Ben Bernanke öffnete das Tor zu mehr Inflation. Von steigender Dollar-Inflation profitierten Sachwerte, die in Dollar gehandelt werden – also fast alle Rohstoffe.

Aber reichte in der Vergangenheit nicht schon die Erwartung eines Abschwungs der US-Wirtschaft, um die Rohstoffpreise unter Druck zu bringen? "Das gilt so nicht mehr", sagt Jim Rogers. Der legendäre Rohstoffinvestor hat eine eigene Gruppe von Indizes gegründet und sieht Rohstoffe trotz US-Konjunktursorgen weiter inmitten eines Superzyklus. Und der werde anhalten, weil Chinas Wirtschaft und die anderer Schwellenländer weiter wachsen werden und weil die meisten Rohstoffe auch nach Jahren steigender Preise immer noch knapp seien.

Tatsächlich löste China die USA als wichtigsten Verbraucher vieler Rohstoffe ab. Zusammen mit den übrigen BRIC-Staaten Brasilien, Russland und Indien steuerte China seit 2001 knapp die Hälfte zum globalen Wirtschaftswachstum bei.

Welche Chancen sich Anlegern dadurch bieten und wo die Kurse ausgereizt sind.

» Öl: Auf der Suche nach der Energie

» Agrar: Die globale Nachfrage wird weiter steigen

» Metalle: In den Preisen steckt viel Spekulation

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