Privatbankier Friedrich von Metzler: Auf die eigene Stärke vertrauen

Privatbankier Friedrich von Metzler
Auf die eigene Stärke vertrauen

Der Finanzplatz Deutschland ist stark, auch wenn die Deutsche Börse keinen Fusionspartner findet, glaubt Privatbankier Friedrich von Metzler. Im Interview äußert er sich über das Wettrennen der Börsen und die Mühe des Geldanlegens.

Herr von Metzler, welche Folgen hat es für den Finanzplatz Deutschland, dass die Deutsche Börse im weltweiten Fusionspoker bis jetzt leer ausgegangen ist?

Ich sehe keine negativen Auswirkungen auf den Finanzplatz, wenn andere Börsen miteinander fusionieren. Im Gegenteil.

Wo sehen Sie denn positive Folgen?

Die Euronext in Paris, Amsterdam, Lissabon und Brüssel ist nach der Übernahme durch die New York Stock Exchange jetzt erst mal mit sich selbst beschäftigt. Die Londoner Börse weiß nach der Ablehnung des Nasdaq-Gebots nicht genau, wohin ihre Reise künftig geht. Und die Deutsche Börse entwickelt sich gut. Unser Kassamarkt...

...an dem Aktien zum aktuellen Kurs gehandelt werden...

...hat an manchen Tagen eine höhere Liquidität als der in London. Und unsere Terminbörse Eurex, die international zu den größten Derivatemärkten der Welt gehört, wird immer stärker. Insgesamt ist die Deutsche Börse handlungsfähiger als ihre großen Konkurrenten in Europa.

Aber die Großen der Welt sind doch allesamt vergeben. Wo ist denn da Spielraum?

Es sind noch genug Möglichkeiten für Kooperationen vorhanden. Es gibt nicht nur die Börse Bombay, es gibt Börsen in Osteuropa, in Russland, in Asien, im Nahen Osten oder in Lateinamerika. Die neuen Märkte sind für unsere Kinder und Enkel viel interessanter als die etablierten Märkte im Westen. Darauf sollten wir uns ausrichten. Je früher und je stärker wir das tun, umso besser für unsere Zukunft.

Das hört sich ja so an, als ob Sie sich freuten, dass die Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange vor rund anderthalb Jahren gescheitert ist.

Ich bedauere es nach wie vor. Der Zusammenschluss hätte einen wahrhaft europäischen Markt geschaffen. Jede Bank in Deutschland hätte im Aktienhandel die gleichen Voraussetzungen gehabt wie eine Londoner Bank, und die Londoner Börse hätte ihre Zukunft gesichert. Doch die Londoner wollten diese Fusion nicht, deshalb ist die Chance vorbei.

Und Sie haben keine Angst, dass die Deutsche Börse durch die Mammutbörsen jetzt an die Wand gedrängt wird?

Aktienmärkte sind und bleiben lokal. Terminmärkte sind global, und darauf sind wir mit der Eurex bestens eingestellt. Ich arbeite seit den Siebzigerjahren am Frankfurter Finanzplatz mit. Was seitdem entstanden ist, haben wir uns damals nicht träumen lassen. Mittlerweile verwalten die deutschen Fondsgesellschaften 1409 Milliarden Euro, und die Börse hat eine Marktkapitalisierung von 16,6 Milliarden Euro. Wir sollten nicht nur auf die Angelsachsen schauen, sondern auf unsere eigene Stärke vertrauen und uns mehr um die neuen Märkte kümmern.

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