Pro und Contra
Aktien für die Vorsorge?

Aktien für Altersvorsorge, das ist verantwortungsvoll, sagt Vermögensverwalter Michael Reuss. Thomas Brehmer von Brehmer & Cie warnt: Aktien allein reichen nicht für das Altersvermögen.
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Können Aktien die Versorgungslücke in Deutschland schließen? Mehren oder vernichten sie Vermögen? Beide Ansichten haben starke Fürsprecher. Gerade Privatanlegern fehlt aber oft die Nervenstärke, um kurzfristige Verluste auszusitzen. Viel Geld lässt sich an der Börse mit dem richtigen Timing verdienen - aber wer hat das schon?

Michael Reuss: Keine Vorsorge ohne Aktien

Die maximalen Verluste im Dax erreichten im Juli und August 2 200 Punkte oder 30 Prozent. Kann man Aktien angesichts solcher Schwankungen noch guten Gewissens für die Altersvorsorge empfehlen? Wer verantwortungsvoll handeln will, kann es nicht nur – er muss es jetzt sogar.

Wir durchleben eine Phase, in der die Grundfeste der Finanzwelt ins Wanken geraten – und das verändert auch unsere Perspektive auf die Altersvorsorge. So haben die Staatsanleihen mancher Länder den Status von Junkbonds erreicht. Deutsche Staatspapiere und US-Anleihen indes werden wie wild gekauft, weil sie (noch) als sicher gelten. Im Gegenzug verlieren Anleger damit nach Inflation und Steuern an realer Kaufkraft!

Wer glaubt, er könne sich mit seiner Lebensversicherung, der in Deutschland beliebtesten Form der Altersvorsorge, beruhigt zurücklehnen, irrt. Die Portfolios der Lebensversicherer sind gespickt mit Anleihen der öffentlichen Hand, was zwangsläufig zu sinkenden Erträgen bei den Versicherungen führen wird.

Addiert man dazu die Tatsache, dass die Notenbanken die Verschuldungskrise mit inflationären Mitteln bekämpfen und so die Kaufkraft der schmelzenden Erträge weiter schmälern, dürfte klar werden: Auf Geldwerte allein, wozu auch Festgeldkonten zählen, sollte niemand seine Altersvorsorge stützen. Vielmehr gehören in jede vernünftige Vorsorgeplanung auch Sachwerte wie Aktien – entsprechend dem Risikoprofil des Anlegers.

Freilich kommt es auf die Aktien und professionelles Risikomanagement an. Gerade profitable Unternehmen mit geringer Verschuldung, deren Märkte wachsen und die unverzichtbare Güter produzieren (wie Nestlé), scheinen uns interessant. Solche Unternehmen können nicht nur in Inflationszeiten am ehesten höhere Preise durchsetzen. Auch wenn raues Wirtschafts- und Börsenklima herrscht, dürften sie dank der starken Position gut wegkommen. Auch im Vergleich zu Immobilien bieten Aktien Vorteile: Sie sind flexibel zu handeln und als Produktivkapital besser vor einem Zugriff des Staates geschützt.

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