Pro und Contra
Anlagen in Schwellenländern - unerlässlich oder unkalkulierbar?

Die Schwellenländer sind Wachstumstreiber und deshalb attraktiv für Anleger, sagt Fondsmanager Tilmann Galler. Geschäftsführer Frank Ringelstein rät zur Vorsicht: Entscheidend sei nicht das Land, sondern das Unternehmen.
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Länder wie China, Brasilien oder Indien haben ein großes Wachstumspotential, sind aber nach wie vor abhängig von den Industrienationen. Ist die Euphorie der Investoren gerechtfertigt, oder sind die Strukturen der Emerging Markets noch viel zu undurchsichtig? Die Meinungen der Experten gehen auseinander.

Tilmann Galler: Unerlässlich für den Vermögensaufbau

Aktien aus den Emerging Markets sind eine wichtige Säule für den Vermögensaufbau. Das Anlagegebiet ist aus vielen Gründen gerade mit einer langfristigen Perspektive attraktiv. So ist die demografische Entwicklung, anders als in Europa, intakt. Außerdem sind die Länder mit einer durchschnittlichen Staatsverschuldung von etwa 40 Prozent ihrer Wirtschaftskraft deutlich besser aufgestellt als die etablierten Wirtschaftsnationen, die mit durchschnittlich mehr als 90 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in der Kreide stehen.

Berechnungen des IWF beispielsweise zeigen, dass zukünftiges Wachstum hauptsächlich in den Schwellenländern erzielt wird. Während in den vergangenen Jahren insbesondere die Investitionstätigkeit das Wachstum definiert hat, sehen wir in den nächsten zehn Jahren die Entwicklung der binnenwirtschaftlichen Aktivitäten als den großen Wachstumstreiber. Damit stellen diese Regionen einen fruchtbaren Nährboden für innovative und neue Unternehmen dar. Kein Wunder also, dass immer mehr Firmengründungen in den neuen Wachstumsregionen dieser Welt zu finden sind und immer mehr aussichtsreiche Unternehmen aus den Schwellenländern kommen.

Hier ist das Top-Management inzwischen sehr gut ausgebildet und es ist ein starker Unternehmergeist zu finden. Auch die Kennzahlen zeigen, dass die Aktiengesellschaften aus den Regionen ihre Hausarbeiten machen. So haben die Firmen aus den Schwellenländern die Unternehmen aus den Industrieregionen wie USA, Europa oder Japan bei der Eigenkapitalrentabilität schon heute eingeholt. Auch die Gewinndynamik, über die Schwellenländerfirmen verfügen, ist deutlich attraktiver als die der Unternehmen aus den Industrienationen. Hier hat die Entkopplung bereits eingesetzt und sollte sich mittel- bis langfristig auch in den Kursentwicklungen widerspiegeln.

Kurzfristig können sich die Schwellenländeraktien jedoch nicht von der Kursentwicklung der Industrienationen entkoppeln. Aber die große Rezession 2008 hat aufgezeigt, dass die Unternehmen aus den Schwellenländern auch in der Lage waren, sich schneller von weltwirtschaftlichen Rückschlägen zu erholen. Über einen Konjunkturzyklus hinweg betrachtet findet in der Tat eine Entkopplung statt und macht vor diesem Hintergrund diese Region für den langfristigen Vermögensaufbau besonders attraktiv. An der Dynamik wird sich in den nächsten zehn Jahren nichts ändern. Der weltwirtschaftliche Wachstumsmotor liegt in den Schwellenländern. Es würde mich nicht wundern, wenn die zukünftigen Microsofts oder Apples ihren Ursprung in den Schwellenländern hätten.

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