Profi-Anlageempfehlung
Auf Investitionen in Schuldensünder verzichten

Wer nicht sein eigenes Vermögen vernichten will, sollte bei der Anlageentscheidung auf solide Finanzen achten. Die fehlen nicht nur bei den Schuldenländern Südeuropas. Sie fehlen auch in den USA und Japan.
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Die Finanzmärkte haben sich auf die hochverschuldeten Länder Südeuropas eingeschossen. Nach Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann mit Zypern das dann siebte Land der 17 EWU-Mitglieder in den Fokus der Investoren gerät. Kaum Beachtung finden dagegen die hohen und weiter wachsenden Schuldenberge in den USA und in Japan. Rechtfertigen könnte man das dadurch, dass Europa sich der Erbsünde schuldig machte: Mit der gemeinsamen Währung gaben die Länder die Möglichkeit auf, Anleihen in der eigenen Währung abzusetzen. Die USA hingegen können das theoretisch unbegrenzt.

Das US-Staatsdefizit beläuft sich mittlerweile auf knapp 16 Billionen Dollar. Damit entfallen auf jeden Amerikaner fast 50 000 US-Dollar an staatlichen Verbindlichkeiten. Mit einer Defizitquote von jetzt schon über 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sind die USA womöglich bald so hoch verschuldet wie das angeschlagene Italien. Vor allem aber: Während sich die Länder der Euro-Zone bemühen, ihre Verschuldung in den Griff zu bekommen, häufen die USA weitere Verbindlichkeiten an.

In diesem Jahr nimmt die US-Regierung neue Kredite in Höhe von über acht Prozent des BIP auf. Das ist deutlich mehr als Spanien. Angesichts der Präsidentschaftswahlen im November ist vorerst nicht mit einem Trendwechsel zu rechnen. Ausländische Gläubiger finanzieren ein Drittel der amerikanischen Verschuldung.

Diese "transatlantische Transferunion" muss jedoch nicht für die Ewigkeit errichtet sein. Vor allem bei japanischen Investoren, den zweitgrößten Auslandsgläubigern der USA, besteht die Gefahr, dass sie sich von amerikanischen Staatsanleihen verabschieden. Denn das Land braucht das Geld zunehmend selbst. Mit einem Staatsdefizit von 220 Prozent des BIP ist Japan fast doppelt so hoch verschuldet wie Italien. Bislang werden 95 Prozent der japanischen Staatsanleihen im Inland platziert.

Doch dieses Modell läuft aufgrund der ungünstigen demografischen Entwicklung aus. Immer mehr Japaner wechseln aus dem Erwerbsleben in den Ruhestand. Umgekehrt gibt es zu wenige junge und gut verdienende Japaner, die diesen Effekt kompensieren könnten. Die durchschnittliche Sparquote ist in Japan von ehemals zehn Prozent und mehr auf mittlerweile drei Prozent zusammengeschrumpft. Über kurz oder lang wird die Schuldenkrise nicht nur auf Europa beschränkt bleiben. Finanzinvestoren werden beginnen, die Solidität der USA, Japans und anderer hochverschuldeter oder überschuldeter Staaten zu hinterfragen. Anleger sollten vorsorgen.

Wer einer Vermögensvernichtung als Resultat einer Überschuldung entgehen will, sollte finanzielle Solidität als wichtiges Kriterium bei der Anlageentscheidung berücksichtigen. Für Investitionen in Unternehmen heißt dies, auf eine eingehende Bilanzanalyse zurückzugreifen. Staaten legen zwar keine Bilanz vor. Aber indirekt erhält man - zum Beispiel mit dem "Fiscal Stress Index" des Internationalen Währungsfonds oder ähnlichen Konzepten - eine brauchbare Leitlinie, solvente Schuldner von weniger solventen oder gar insolventen zu unterscheiden. Letztlich ist ein solches Portefeuille eine Ansammlung von "Blue Chips": Die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals ist mindestens genauso wichtig wie sein Ertrag.

Die Anlageempfehlung gibt die Einschätzung des Autors wieder. Sie ist keine Empfehlung der Redaktion.

Kommentare zu " Profi-Anlageempfehlung: Auf Investitionen in Schuldensünder verzichten"

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  • Sehr guter Artikel, also: Nestle. Coca-Cola trotz relativ hoher Bewertung; Zigarettenfirmen sowohl in GB, F, USA - Sucht ist einfach ewig, bis die Ewigkeit zuschlägt!;-), und Erdölfirmen. Alle die hier schreiben, weil vor 2 Tagen jemand nicht einstieg, er sei dumm...offenbaren sich und ihre Gier selbst!

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