Profi-Anlageempfehlung: Die Dividende ist ein guter Puffer gegen Kursverluste

Profi-Anlageempfehlung
Das Märchen vom risikolosen Zins

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Die Dividende ist ein guter Puffer gegen Kursverluste

Die Dividende wird von vielen Anlegern unterschätzt. Regelmäßige Ausschüttungen bieten einen komfortablen Puffer gegen Kursverluste. Je länger die Anlagedauer desto größer wird dieser Puffer.
Im Gegensatz zu praktisch allen anderen Anlageformen sind Aktien im historischen Vergleich zudem moderat bewertet. Ihr Kurs-/Gewinnverhältnis (KGV) liegt an den meisten Börsen zwischen dem 10,5- und 12,5-fachen der für 2013 erwarteten Gewinne – und damit deutlich unter den historischen Durchschnittswerten. Ein weiteres, nicht weniger wichtiges Argument, in Aktien zu investieren, ist, dass es – anders als in der Vergangenheit – praktisch kaum noch lukrative Anlagealternativen gibt. Damit sind Aktien nicht nur historisch, sondern auch im Vergleich zu anderen Anlageklassen, insbesondere erstklassigen Staats- und Unternehmensanleihen, attraktiv bewertet.

Wir haben für die nächsten fünf Jahre einen Anstieg des Gesamtmarktes (MSCI Weltindex) von einer aktuellen Bewertung von 12,2 auf 16 und bei Qualitätsaktien von 12,8 auf 20 unterstellt. Viel wird davon abhängen, wie sich die Inflation entwickelt, denn steigende Inflationsraten machen bei gleichzeitig künstlich gedrücktem Zinsniveau Aktien als Inflationsschutz noch attraktiver. Geht man von einem relativ moderatem Inflationsanstieg mit einem Umsatz- und Gewinnwachstum der Unternehmen von nominal nur vier Prozent p.a. aus, ergäbe sich für den Gesamtmarkt in den nächsten fünf Jahren ein Plus von 59 Prozent und für Qualitätsaktien von 90 Prozent. Pro Jahr macht das ein Kursplus von 9,7 bzw. 13,7 Prozent. Rechnet man die Dividenden hinzu, ergibt das eine Gesamtrendite von rund 12 beziehungsweise 15,7 Prozent.

Sollte die Inflation in einigen Jahren kräftiger anziehen und die Unternehmensgewinne entsprechend inflationieren, könnte sich dieses Renditeszenario sogar als zu konservativ erweisen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die massive Ausweitung der Geldmenge erst mit einiger Verzögerung dazu führt, dass die Güterpreise steigen. Schlussendlich wird Milton Friedman aber Recht behalten; der berühmte Ökonom hatte einmal gesagt, dass Inflation immer ein monetäres Phänomen sei. Sie beginnt, wenn die Menschen dem beliebig vermehrbaren Papiergeld nicht mehr vertrauen. Dann kaufen sie Sachwerte.
Selbst wenn Aktien in den nächsten Jahren keine höhere Bewertung erfahren, dürften Kursgewinne und Dividenden eine Gesamtrendite von mindestens sieben Prozent ermöglichen und damit wesentlich lukrativer als die meisten anderen Anlageformen sein.


Zur Person: Bert Flossbach ist Gründer und Vorstand der Flossbach von Storch AG in Köln. Das Unternehmen zählt mit einem betreuten Vermögen von mehr als 10 Milliarden Euro und mehr als 80 Mitarbeitern zu den führenden unabhängigen Investmentmanagern in Deutschland.

Kommentare zu " Profi-Anlageempfehlung: Das Märchen vom risikolosen Zins"

Alle Kommentare
  • @ Fossibaerin,
    Geld kann nur der verlieren der Geld hat.
    Die Staatsschulden müssen irgendwie doch bezahlt werden, ist es also nicht besser wenn das über eine starke Inflation geschieht?
    Jemand muss die Schulden bezahlen! Es führt kein Weg vorbei.

  • Ich stimme hanufu zu. Die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken ist eine satte Katastrophe, die uns alle wesentlich teurer kommen dürfte, als die ganze unmittelbare Euro-Rettung zusammengenommen.
    Und wer jetzt hämisch grinst und behauptet, dass die Geldschwemme ja zur Eurorettung angerichtet wurde, dem sei gesagt, dass das eine Zeitungsente ist. Die US Fed setzt seit Jahren auf niedrigste Leitzinsen zur Ankurbelung des privaten Konsums. Dies hat sich über die Welt verbreitet. Ich kann mich an die Diskussionen in Deutschland lebhaft erinnern, lange vor Subprimecrisis oder Eurokrise. Auch die FDP war ursprünglich vom Konsumparadies Niedrigzinsland fasziniert. Damals wehrte sich der Euro in Gestalt der EZB mit ihrem "Inflationsverbot". Der einzige Zusammenhang zwischen Eurokrise und Niedrigzinspolitik ist ein indirekter. Die Geldschwemme der US Fed war ein wesentlicher Auslöser der Subprimecrisis, die wiederum führte zu Liquiditätsengpässen bei Banken, verstärkt durch hohe Bilanzbestände an ungesicherten Krediten. So dass die Banken ihr Geld erst recht nicht mehr verliehen. Also pumpten jetzt auch die europäischen Zentralbanken, einschließlich EZB, wie wild Geld in den Kreislauf. Gleichzeitg führte der Crash im privaten Finanzsektor dazu, dass Staaten die sich bis dahin leicht und billig am Kreditmarkt versorgen konnten, für ihre Schulden mehr zahlken mussten, was auf einmal die bisher nie angezweifelte Stabilität von Staatsanleihen auf den Prüfstand stellte. Andere Staaten nahmen enorme Schulden auf, um den Bankenbailout zu finanzieren. Plötzlich stand die Staatsschuldenkrise im Raum und nur die EZB war nicht durch Panikdiskussionen, politisches Taktieren und sinnlose Schuldzuweisungen gelähmt. Sie öffnete die Schleusen und pfiff auf die Geldwertstabilität, zumal eine Abwertung des Euro die Staaten billig teilentschuldet, ohne Diskussion mit Anlegern. Eurobonds wären für unsere private Altersvorsorge besser gewesen. Die wollten wir ja nicht haben.

  • Die Rendite der gesetzlichen Rente schlägt die Kapitaldeckung um Längen, insbesondere in Zeiten der financial repression. Für Schul- und Ausbildungszeiten kann man da noch bis zum 45. Lebensjahr Beiträge nachzahlen. Die Umlagefinanzierung setzt nicht auf irgendwelche dubiosen Assets mit Emittenten- und Wechselkursrisiko, sondern auf Lohnanpassungen. Und da wir ja angeblich Fachkräftemangel haben, müssten die Löhne bald kräftig steigen.

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