Profi-Anlageempfehlung
Dividenden sind mehr als ein nettes Zubrot

Dividenden haben eine Signalfunktion: Unternehmen, die mehr ausschütten blicken auch optimistischer in die Zukunft, meint Gastautor Chris-Oliver Schickentanz. Doch die Korrelation zwischen Dividende und Wohlergehen hat auch eine Schattenseite.
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DÜSSELDORF. Laut aktuellem Wörterbuch lassen sich die Begriffe Aktie und Dividendenpapier synonym verwenden. Damit hat sich zumindest schon einmal in der deutschen Sprache eine wichtige Erkenntnis durchgesetzt: Der Anspruch auf eine Gewinnausschüttung ist eine wesentliche Eigenschaft einer Aktie. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus lohnt es sich derzeit besonders, nach Titeln mit satten Ausschüttungen Ausschau zu halten. Denn viele Aktien weisen mittlerweile eine Dividendenrendite auf, die spürbar über den Zinssätzen am Anleihemarkt liegt. Werfen Bundesanleihen nicht einmal 2,5 Prozent Rendite pro Jahr ab, bieten viele Aktien Dividendenrenditen von fünf Prozent und mehr.

Interessant ist die Dividendenhöhe auch, weil sie eine wichtige Signalfunktion besitzt. Unternehmen, die die Dividendenausschüttung steigern, blicken üblicherweise optimistisch in die Zukunft. Sie sind zuversichtlich, die den Anlegern zugesagte Ausschüttung auch in den kommenden Jahren erwirtschaften zu können. Damit sind steigende Dividenden ein Indiz für die Gesundheit eines Unternehmens.

Die Kehrseite dieser engen Korrelation zwischen Dividendenhöhe und wirtschaftlichem Wohlergehen sollte allerdings nicht übersehen werden. So haben einige Unternehmen nicht erst im Rahmen der Finanz- und Wirtschaftskrise ihre Dividendenzahlung ausgesetzt oder drastisch gekürzt. Dies macht deutlich, dass die Dividende keinesfalls garantiert ist, sondern vom wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens abhängt. Daher ist es wichtig, nicht einfach blindlings zu investieren. Wir empfehlen bei der Auswahl des richtigen Dividendenpapiers die folgende Checkliste:

Wie hoch ist das Unternehmen verschuldet? Je höher die Verschuldung, desto eher ist die Dividendenzahlung in Gefahr. Schon allein steigende Zinsen können ein hoch verschuldetes Unternehmen zur Dividendenkürzung zwingen. Daher gilt: Dividendensparer sollten auf Unternehmen setzen, deren Nettoverschuldung maximal dem zweifachen operativen Jahresgewinn entspricht.

Wie wichtig ist die Ausschüttung für das Management? Viele Unternehmensvorstände haben sich in den vergangenen Jahren explizit auf eine Ausschüttungspolitik festgelegt. Dies ist zwar keine Garantie für den Anleger, schützt aber in den meisten Fällen vor unliebsamen Überraschungen. Denn schnell kann eine Dividendenzahlung gestrichen werden, wenn Vorstände lieber auf Einkaufstour gehen und andere Unternehmen akquirieren.

Wie viel Prozent des Gewinns wird bisher ausgeschüttet? Generell gilt hier: je niedriger die Ausschüttungsquote, desto besser. Denn das bedeutet, dass die Dividendenzahlung relativ gut abgesichert ist. Da der „offizielle“ Jahresüberschuss durch Abschreibungen und Bewertungskorrekturen verzerrt sein kann, lohnt sich der Blick auf den sogenannten freien Cash Flow. Er gibt an, wie viel Liquidität ein Unternehmen nach Abzug von Steuern, Zinszahlungen und betriebsnotwendigen Investitionen tatsächlich generiert hat.

Anhand dieser Kriterien schneiden beispielsweise die Aktien von Allianz, Eli Lilly, Royal Dutch oder Telefonica sehr gut ab und eignen sich damit als Investment. Wer anstelle von Einzeltiteln lieber in ein breit gestreutes Fondskonzept investiert, dem sei ein Blick auf den DWS Top Dividende empfohlen. Der Fonds investiert weltweit in rund 60 bis 100 Einzelwerte und strebt eine Dividendenrendite von mehr als vier Prozent an. Dass sich das Konzept für den Anleger auszahlt, zeigt die starke Outperformance des Fonds in der Vergangenheit.

Chris-Oliver Schickentanz ist Leiter Investmentstrategie der Commerzbank
Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Es ist keine Empfehlung der Redaktion.

Kommentare zu " Profi-Anlageempfehlung: Dividenden sind mehr als ein nettes Zubrot"

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  • Die Empfehlung für den Fonds DWS Top Rendite kann ich nicht nachvollziehen. Von den 5% Dividendenrendite bleibt bei einem Ausgabeaufschlag von 5% und jährlichen Gebühren von 1,45% nicht viel übrig.

  • Aktien sind kein Sparbuch.

  • Vor etwa zwei Jahren umfasste die Liste der Top Ten der "Dividendenperlen" noch bP und Enel. Der Kurs von Enel ist in den letzten zwei Jahren massiv eingebrochen, ohne Aussicht auf deutliche besserung. bei bP brach der Kurs in diesem Jahr nach dem Unfall im Golf von Mexiko stark ein. Wer vor z.b. drei Jahren in die damals 10 wichtigsten "Dividendenperlen" investiert hatte, hat heute mindestens zwei Problemfälle im Depot.

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