Profi-Anlageempfehlung
Gewinne sichern, Branchen wechseln

Die Aktienrally seit Jahresbeginn hat die Verlockungen für Anleger groß werden lassen. Nun sollten sie aber auch für schlechtere Tage vorsorgen. Einige Branchen bieten sich an, das Portfolio sicherer zu machen.
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Die Börsen haben derzeit einen „Lauf“. Der Deutsche Aktienindex, Dax, hat 2012 einen Rekordstart hingelegt. In den USA erreichte der Dow Jones den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Die seit Weihnachten anhaltende Aktienrally beruht zum einen auf der alles in allem besseren konjunkturellen Entwicklung in einer Reihe von Industrieländern. Zum anderen sind einige Risiken vom Tisch, Zentralbankliquidität ist überreichlich vorhanden und Investitionsalternativen fehlen. So verlief die griechische Umschuldung einigermaßen glatt, befürchtete Ansteckungseffekte blieben aus.

Die wichtigen Notenbanken verfolgen eine aggressive Politik des billigen Geldes und versorgen den Bankensektor mit bislang ungekannten Mengen an Liquidität. Diese ultraexpansive Geldpolitik bleibt bis auf weiteres bestehen. Ein Politikwechsel zeichnet sich fürs Erste nicht ab. Schließlich rentieren zehnjährige Bundesanleihen und US-Bonds mit rund zwei Prozent unterhalb der derzeitigen Inflationsrate. Diese real negative Verzinsung verleitet viele Investoren dazu, einen sicheren, aber geringen Ertrag gegen die Chance auf einen unsicheren, dafür höheren Ertrag zu tauschen. An Aktien führt daher kaum ein Weg vorbei.

Weit vorne lagen in der laufenden Hausse zyklische, konjunktursensitive Werte. Um dort erzielte Gewinne abzusichern, empfiehlt es sich, Stoppkurse zu setzen oder diese bei einem weiteren Anstieg nachzuziehen. Ein Neuengagement bei Zyklikern drängt sich jedoch nicht auf. Es lohnt sich eher ein Blick auf „Nachzügler“ und krisenfeste Aktien. Hierzu zählen unter anderem einige Aktien aus den Bereichen Nahrung, Haushaltsgüter und Versorger. Sie bieten den vergleichsweise besseren Schutz, wenn der Markt wieder nachgeben sollte. Wird er das?

Für eine mögliche Korrektur haben sich einige Kräfte in Stellung gebracht. Die berichteten Unternehmensgewinne haben zuletzt nicht etwa mehrheitlich positiv überrascht. Viel Hoffnung – vielleicht zu viel – liegt in steigenden Gewinnmargen, weniger aber in steigenden Umsätzen. Außerdem hängt der Iran-Konflikt wie ein Damokles-Schwert über den Märkten. Ein Militärschlag gegen den fünftgrößten Ölproduzenten der Welt scheint immer wahrscheinlicher zu werden. Käme es dazu, schösse der Ölpreis nach oben, beim ersten Golfkrieg waren es 80 Prozent. Auch der „Dauerbrenner“ Staatsschuldenkrise kann noch für schlechte Stimmung sorgen. Bleibt Griechenland auch nach der Wahl seinen Verpflichtungen treu? Schafft Portugal die Wende zum Besseren? Zu guter Letzt können simple Gewinnmitnahmen in eine vorübergehende Abwärtsbewegung münden.

Noch schenken die Aktienmärkte diesen Risiken kaum Beachtung. Entladen sich die Risiken, dann sind Anleger mit defensiven Titeln höchster Qualität aus den drei Sektoren Nahrung, Haushaltsgüter und Versorger gut positioniert. RWE passt in dieses Raster. Mit niedriger Bewertung, attraktiver Dividende und verbesserter Visibilität vermag diese Aktie immer mehr zu überzeugen. Ähnliches spricht für K+S, einem „Nachzügler“, der Schulden reduziert und global aktiv ist. Schließlich sind einige Nahrungsmittelkonzerne mit hohen Gewinnmargen sehr profitabel und hinreichend krisenresistent.

Burkhard Allgeier ist Leiter des Portfoliomanagements bei Hauck & Aufhäuser. Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Sie ist keine Empfehlung der Redaktion.

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