Profi-Anlageempfehlung
Schwacher Dollar lockt zum Einstieg

Der schwache Dollar macht Anlagen in den USA billiger, frisst aber auch Teile der Kursgewinne. Ulrich Stephan von der Deutschen Bank empfiehlt, den Kurs der US-Währung jetzt für einen selektiven Einstieg zu nutzen.
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FrankfurtDeutsche Investoren, die in den vergangenen zwölf Monaten auf US-Aktien gesetzt haben, werden die Entwicklung an der Wall Street mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt haben. Lachend, weil sich der Börsenwert der US-Unternehmen auf breiter Front verbessert hat und weinend, weil diese Kursgewinne von einem schwächeren Dollar teilweise aufgefressen wurden.

Tatsächlich ist der Dollar im April handelsgewichtet auf den tiefsten Stand seit Sommer 2008 gefallen. Der Euro-Dollar-Kurs bewegt sich seit Wochen deutlich über der 1,40-Schwelle, nachdem er im Juni 2010 den Wert von 1,20 unterboten hat. Der vergleichsweise teure Euro verbilligt Anlagen in den USA - aber leider auch den Wert der dort getätigten Investments.

Die Ursachen für die Talfahrt des Dollars liegen auf der Hand: Die US-Notenbank hat in den vergangenen Monaten eine sehr expansive Politik verfolgt, mit Zinsen nahe dem Nullpunkt und dem Kauf von US-Staatsanleihen. Die USA sind weiterhin hochverschuldet. Rund eineinhalb Jahre vor der nächsten Präsidentenwahl droht ein politisches Tauziehen zwischen Präsident Obama und den Republikanern. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat den Ausblick für das US-Kreditrating auf "negativ" gesetzt. Damit droht den USA im schlimmsten Fall der Verlust der Spitzennote AAA für beste Bonität.

Ich erwarte allerdings nicht, dass es so weit kommen wird. Die Haushaltsdiskussion in Washington ist in vollem Gange. Noch liegen die Budgetvorschläge der einzelnen Parteien auseinander. Dennoch sind sich beide Seiten darüber einig, dass die Staatskasse in den nächsten zehn bis zwölf Jahren um rund vier Billionen Dollar entlastet werden muss. Die Ernsthaftigkeit, mit der die Diskussion jetzt geführt wird, gibt Hoffnung, dass eine Einigung noch vor Beginn des Wahlkampfs möglich sein wird.

Derweil wächst die Wirtschaft in den USA mehr als doppelt so schnell wie im Euro-Raum, nämlich voraussichtlich um 2,9 Prozent in diesem und 3,9 Prozent im nächsten Jahr. Ich erwarte, dass die Fed ab Ende 2011 die Zinsen wieder anheben könnte. Vor diesem Hintergrund sollte der Dollar in absehbarer Zeit wieder an Wert gewinnen. In zwölf Monaten erscheint mir ein Euro-Dollar-Kurs von 1,30 realistisch, was aus Sicht eines Euro-Anlegers einem Währungsgewinn von rund zehn Prozent entspräche.

Anleger können den schwachen Dollar jetzt zum selektiven Einstieg nutzen. Dabei erscheinen mir allerdings Greenbacks im Safe als ungeeignet. Bei US-Staatsanleihen sind mit Blick auf die anstehenden Zinsschritte nur Papiere mit kürzeren Laufzeiten eine Überlegung wert.

Empfehlenswert erscheinen mir vor allem ausgewählte Aktienanlagen. Die US-Unternehmen sind mehrheitlich gesund, strotzen vor Liquidität und haben in der aktuellen Berichtssaison die Analystenerwartungen zum größten Teil übertroffen. Attraktiv erscheinen vor allem zyklische Industrie- und Technologiewerte, außerdem große Konzerne mit weltweiten Produktionsstätten und Absatzmärkten, denen ein stärkerer Dollar auf der Kostenseite keine Kopfschmerzen bereitet. Konsumwerte sollten dagegen angesichts einer angeschlagenen Binnenkonjunktur mit Vorsicht betrachtet werden.

Ulrich Stephan ist Global Chief Investment Officer Privat- und Geschäftskunden bei der Deutschen Bank. Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Sie ist keine Empfehlung der Redaktion.

Kommentare zu " Profi-Anlageempfehlung: Schwacher Dollar lockt zum Einstieg"

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  • Wie krank muss man sein um auf einen steigenden Dollar zu wetten ??????????????
    Wenn die Zionisten einen Crash auslösen und die Investoren Geld brauchen, können wir durchaus einen steigenden Dollar sehen.....
    Der ist aber nach wie vor Fiat-Money und somit FALSCHGELD ohne Wert.

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