Profi-Anlageempfehlung
Wie Anleger von der Energiewende profitieren

Bauwerke sind für knapp 40 Prozent des Energieverbrauchs in der EU verantwortlich. Um die Energieeffizienz zu steigern, sind massive Investitionen in die Wärmedämmung geplant. Auf welche Firmen Anleger setzen sollten.
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Die endlichen fossilen Energiequellen wie Kohle, Erdöl und Erdgas sowie der gerade in Deutschland und der Schweiz eingeleitete Ausstieg aus der Kernenergie machen es deutlich: Die Energiewende ist unausweichlich und lässt nicht mehr lange auf sich warten. Welche Unternehmen profitieren eigentlich davon?

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Weltwirtschaft langfristig weiter wachsen wird. Ökonomen rechnen mit einer Steigerung des weltweiten Bruttosozialprodukts von derzeit 62 Billionen Dollar auf 143 Billionen Dollar im Jahr 2030. Damit einhergehend wird auch der globale Energiebedarf weiter anziehen. Dieser Herausforderung kann und muss in Zukunft verstärkt mit einer effizienteren Energienutzung und -ausbeute begegnet werden.

Dämmstoffe als Kurstreiber
Exemplarisch seien an dieser Stelle Bauwerke genannt, die laut einer Studie von HSBC für 38 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in der EU stehen. Laut Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) entfällt ein Großteil des Energieverlustes in einem typischen unsanierten Einfamilienhaus (Baujahr 1979–1983) auf fehlende Dämmung sowie geringe Isolierung von Fenstern und Türen. So kann in bereits existierenden und neu geplanten Häusern durch den Einbau von Dämmmaterial und mehrfach verglasten Fenstern Energie eingespart werden. Vor diesem Hintergrund sind zum Beispiel auch die in der aktuellen Version der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) verschärften energetischen Anforderungen an die Wärmedämmung von Neubauten zu sehen, die um durchschnittlich 15 Prozent erhöht wurden. Zudem müssen Altbaubesitzer (bis Baujahr 2000) begehbare Dachböden sowie Warmwasserleitungen in unbeheizten Räumen bis Ende 2011 nachträglich dämmen. Für neue Gebäude, die nach dem 31. Dezember 2020 errichtet werden, schreibt der Gesetzgeber mittlerweile sogar vor, dass deren Energiebedarf dann bei fast null sein soll.

In einem solchen Umfeld wird in den nächsten Jahren der Bedarf an Dämmstoffen und Flachglas deutlich ansteigen. Flachglas wird in der weiterverarbeitenden Glasindustrie unter anderem zur Produktion von Fensterscheiben benötigt. Von dieser Entwicklung wird vor allem Saint Gobain profitieren. Im Bereich der Dämmstoffe und bei Flachglas gehört der Konzern zu den weltweiten Marktführern. Ebenso dürften AGC Flat Glass, die Flachglassparte der auch in der Chemiebranche tätigen japanischen Asahi Glass Company, sowie weitere kleinere börsennotierte Wettbewerber wie Sto und Steico – beide unter anderem Hersteller von Dämmstoffen – profitieren. Auch auf Henkel trifft dies zu. Das Traditionsunternehmen vertreibt neben Haushalts- und Pflegeprodukten auch Fugendichtmassen, Isolierschäume, Dämmplatten und Dichtfolien, die eine Abdichtung von Fenstern, Türen und Fassaden ermöglichen.

Aus unserer Sicht gestalten sich ausgewählte Investments in diesem Segment als sehr aussichtsreich. Gleichwohl muss jeder Investor hier sicher über einen langen Atem und Anlagehorizont verfügen, um diese Potenziale voll zu heben. Kurskorrekturen bieten zum Aufbau erster Positionen hier gute Gelegenheiten.

Die Anlageempfehlung von Markus Taubert, Chief Investment Officer Private Banking der Berenberg Bank, spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Sie ist keine Empfehlung der Redaktion.


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