Prozessrisiken
Die Zwiebel-Verfahren

Fast immer schätzen Anleger falsch ein, wie sich laufende Gerichtsverfahren auf Aktienkurse auswirken. Meist übersieht der Markt die Risiken.
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Die Aktien von World Wrestling Entertainment (WWE) fallen seit Monaten wie ein Stein. Ein Grund: Einige der Superstars des TV-Vermarkters von Ringkämpfen haben sich nach Hollywood abgesetzt; im Kino fanden sie lukrativere Deals als in der Flimmerkiste. Allerdings könnten bald wieder bessere Zeiten anbrechen. Nämlich, wenn WWE einige Klagen gewinnt, die es in den vergangenen Jahren gegen Lizenznehmer angestrengt hat. Diese sollen sich Rechte an Namen und Produkten ergaunert haben. Grund für einige WWE-Investoren, sich an Nick Rodelli zu wenden.

Rodelli ist Analyst im Center for Financial Research and Analysis (CFRA), eines auf die Aufdeckung wirtschaftskrimineller Handlungen spezialisierten Wirtschaftsprüfers. Der 34-Jährige leitet dessen neuen Forschungsdienst Legal Edge. Rodelli stieß erst vergangenen Herbst zu CFRA und analysiert die Auswirkungen von Rechtsstreitigkeiten auf Gewinn- und Kursentwicklung von Unternehmen.

Rodelli war bereits als Konzernanwalt, als Jurist für die US-Wertpapieraufsichtsbehörde und einen Hedgefonds tätig. Seine Grundthese: "Fast immer sind die Aktien von Unternehmen, die in schwebende Verfahren verwickelt sind, falsch bewertet. Weder deren potenzielle negative noch denkbare positive Auswirkungen der juristischen Querelen auf den Kurs werden vom Markt ausreichend berücksichtigt."

Beispiel WWE: 2006 verdiente das Unternehmen fast ein Viertel seines Umsatzes mit Lizenzen. Gewinnt es die Verfahren, könnte dies den Gewinn (Ebit) um bis zu 22 Prozent steigern. Ob sich die Dinge für WWE so günstig entwickeln, könnte sich schon in einigen Wochen zeigen. Dann wird vor Gericht über einen Antrag der Gegner auf Klageabweisung entschieden, denen WWE illegale Geschäftspraktiken vorwirft. "Ein derartiges Ereignis ist richtungsweisend", findet Rodelli, "es kann zu einer Neubewertung der Ertragskraft von Unternehmen führen."

CFRA wurde 1994 von Howard Schilit gegründet, einem Professor für Rechnungswesen an der American University. Das Institut zerrt fragwürdige Bilanzierungsgepflogenheiten börsennotierter Unternehmen ans Licht und hat sich damit an der Wall Street eine treue Anhängerschaft erworben. Speziell Shortseller bedienen sich gerne der Researchdienste CFRAs, die bereits zur Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten etwa bei New Century Financial, Delphi, Krispy Kreme Doughnuts und Shuffle Master beitrugen.

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