Quartalsbilanz an den Börsen
„Es besteht das Risiko eines Zinsschocks“

Der Jahresauftakt war völlig verpfuscht, doch die Quartalsbilanz ist längst nicht so duster wie befürchtet. Christian Müller-Glissmann, Anlagestratege von Goldman Sachs, über Chancen und Risiken in den kommenden Monaten.

Selbst Profis wurden vom Absturz zum Jahresbeginn eiskalt erwischt. Selbst wer wie Christian Müller-Glissmann, Anlagestratege von Goldman Sachs, mit begrenztem Aufwärtspotenzial und höheren Schwankungen gerechnet hat, wurde überrascht.

Herr Müller-Glissmann , haben Sie mit einem solch turbulenten Jahresauftakt gerechnet?
In unserem Jahresausblick 2016 hatten wir im vergangenen Dezember auf begrenztes Renditepotential für globale Aktien hingewiesen – bei höherer Volatilität. Wir nannten dies einen ‚fat and flat‘-Markt.

Das müssen Sie erklären.
Aktienbewertungen sind seit letztem Jahr unserer Meinung nach zu teuer. Daher haben sie weniger Puffer für Schocks, insbesondere wenn es nicht genug Wachstum gibt, um die Bewertungen wieder zu normalisieren. Als wichtigste Risiken hatten wir China und Ölpreise gesehen.

Damit lagen Sie sehr richtig…
Allerdings waren auch wir überrascht, wie schnell sich diese Risiken zu Beginn des Jahres realisiert hatten und wie stark Aktienmärkte anschließend unter Druck kamen.

Wie geht es weiter? Welche Gefahren lauern?
Wir denken, dass die momentane Erholung primär durch eine Kombination von mehr China-Optimismus und der Fed getrieben wurde, die auf schwächeres US-Wachstum seit Beginn das Jahres und mehr globale Risiken reagiert hat. Letzteres hat zu einem schwächeren Dollar geführt, was den Druck auf Öl und Schwellenländer reduziert hat. Das US-Wachstum dürfte sich allerdings im zweiten Quartal weiter erholen – seit März haben die Makrodaten aus den USA eher positiv überrascht. Das könnte mehr Inflation treiben – bereits jetzt ist die US-Kerninflation über zwei Prozent. Damit würde auch der Druck auf die Fed wieder steigen, doch die Zinsen weiter anzuheben.

Das hätte auch Auswirkungen auf die Märkte…
Mit den momentan niedrigen Zinsniveaus an den Anleihemärkten besteht das Risiko eines Zinsschocks im zweiten Halbjahr. Darüber hinaus ist die Erholung des Ölpreises unserer Meinung nach verfrüht – die fundamentale Situation hat sich noch nicht viel verbessert. Und seit Beginn des Jahres sind fast alle Anlageklassen extrem stark mit dem Ölpreis korreliert. Dazu kommen im weiteren Jahresverlauf auch noch erhöhte politische Risiken durch das anstehende Referendum in Großbritannien und die US-Präsidentschaftswahlen.

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Gestärkter Euro drückt auf europäische Aktien

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