Ralf Zimmermann im Interview: “Versicherer, Industrie und Pharma kaufen“

Ralf Zimmermann im Interview
“Versicherer, Industrie und Pharma kaufen“

Fünf Fragen an Ralf Zimmermann, Aktienstratege beim Bankhaus Sal. Oppenheim.

Handelsblatt: Schon seit einiger Zeit sagen Experten die Trendwende weg von den Nebenwerten und hin zu den großen europäischen Blue Chips voraus. Ist es im Jahr 2006 endlich soweit?

Ralf Zimmermann: Ja. Wir haben bereits in den letzten Monaten erste Anzeichen gesehen. Midcaps sind mit einer Bewertungsprämie von rund 20 Prozent gegenüber den Blue Chips teuer geworden. Die Outperformance der Kleinen gegenüber den Großen war nicht zuletzt durch die globale Liquiditätsschwemme getrieben. Allerdings sprechen nun die restriktiver werdenden Notenbanken für die Blue Chips – sowohl in den USA als auch in Euro-Land dürften sich die Leitzinsen jeweils um bis zu 50 Basispunkte erhöhen. Der Malus der Nebenwerte durch die geringeren Börsenumsätze sollte in diesem Umfeld sichtbarer werden.

Welche Rolle werden die deutschen Blue Chips 2006 im europäischen Kontext einnehmen?

Der Dax ist im Vergleich zu anderen europäischen Indizes stärker von der Weltkonjunktur abhängig. Da wir 2006 und 2007 von niedrigeren globalen Wachstumsraten ausgehen, trauen wir den defensiveren europäischen Blue-Chip-Indizes eine etwas bessere Kursentwicklung zu. Die bisherigen Maßnahmen der großen Koalition in Deutschland erlauben keine „Politikprämie“ für den Dax. Die meisten deutschen Blue Chips sind aber gut auf den Weltmärkten positioniert, und sie versuchen weiter, ihre Kosten zu verringern. Daher sollten die Gewinne und damit auch die Kurse der Dax-Unternehmen weiter steigen.

Welche europäischen Länder bieten im Moment neben Deutschland Blue Chips mit interessanten Perspektiven?

Innerhalb Westeuropas spielt der Ländereffekt nur eine untergeordnete Rolle, wichtiger ist die Sektorzusammensetzung der nationalen Aktienmärkte. In den vorangegangenen Jahren haben Werte mit Osteuropa-Fantasie profitieren können. Sollte der restriktivere Notenbankenzyklus die Risikobereitschaft dämpfen, könnten diese Aktien leiden.

Aktien welcher Branchen könnten sich 2006 besonders gut entwickeln und warum?

Pharma-Werte: Ihre Bewertungsprämie ist im Vergleich zur Vergangenheit niedrig. Viele Risiken sollten in den Kursen enthalten sein, der Sektor dürfte nach wie vor stärker als die Gesamtwirtschaft wachsen. Versicherungen: Der Sektor ist immer noch günstig. Die Preisdisziplin hält in der Branche an. Industrie-Werte: Der globale Investitionszyklus, von dem gerade die deutschen Unternehmen profitieren, läuft weiter. In der ersten Jahreshälfte könnten sich Einzelhandelswerte gut schlagen, wenn leicht positive Nachrichten vom Arbeitsmarkt kommen und sich das Konsumklima etwas aufhellt.

Wo sehen Sie den Euro Stoxx 50 im Jahr 2006?

Wir sehen den Euro Stoxx 50 bei 3 850 zum Jahresende, er könnte während des Jahres innerhalb eines Bands von 3 250 bis 4 000 schwanken.

Die Fragen stellte Christian Schnell

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