Reaktion auf die Finanzkrise
Strategen kürzen Dax-Prognosen

Mit einem massiven Zurückdrehen ihrer Prognosen für die Aktienmärkte haben die Dach-Institute der Sparkassen auf das erneute Aufflackern der Finanzkrise reagiert. Sparkassen-Experten sehen auch im kommenden Jahr wenig Potenzial für den Dax.

FRANKFURT. Mit einem massiven Zurückdrehen ihrer Prognosen für die Aktienmärkte haben die Dach-Institute der Sparkassen auf das erneute Aufflackern der Finanzkrise reagiert. Im Vergleich zu ihren Dax-Prognosen, die sie noch vor zwei Monaten abgaben, haben sie inzwischen eine kräftige Zäsur gemacht. Am deutlichsten fiel der Schnitt bei der HSH Nordbank aus, die bei einer Umfrage des Handelsblatts Anfang Juli unter 20 Banken den größten Optimismus ausstrahlte mit einer Dax-Prognose zum Jahresende von 8 200 Punkten. Nun erwarten die Experten mit 6 200 Punkten nur noch einen Ergebnis knapp über den Ständen der vergangenen Tage.

"Wir werden uns noch die nächsten 18 bis 24 Monate mit dem Thema Finanzkrise beschäftigen müssen", sagt Dirk Gojny, Leiter des Analyseabteilung bei der HSH Nordbank. Noch im Sommer sah er wie viele seine Kollegen bei diesem Thema Licht am Ende des Tunnels und hoffte schon für das zweite Halbjahr auf das Ende der Krise und damit wieder steigende Märkte.

Der Faktor Unsicherheit ist im Moment nach Aussagen der meisten Sparkassen-Experten der größte Hemmschuh für die Märkte bis zum Jahresende. "Es ist leichter, eine Mittelfrist- als eine KurzfristPrognose aufzustellen", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Deka. Dass die Kurse in drei Jahren über den aktuellen stehen werden, sei aber nach wie vor weitgehend Konsens. "Im Rahmen der Konjunkturentwicklung wird 2009 das Jahr der Bodenbildung werden", sagt Kater. Der Dax und viele weitere große Börsenindizes werden sich deshalb noch etliche Monate im Rahmen ihrer aktuellen Unter- und Obergrenzen bewegen. Für den Dax würde dies eine Spanne von 6 000 bis 6 500 Punkten bedeuten.

Wenig erbauend für Anleger sind indes auch die weiteren Prognosen für das kommende Jahr. Kurssprünge von mehr als 20 Prozent, wie sie im Dax in den Jahren 2006 und 2007 vorkamen, werden dann wohl endgültig als Relikt aus vergangenen besseren Tagen gelten. Nachdem das laufende Jahr ein deutliches Minus in vielen Portfolios bringen dürfte, soll es im kommenden Jahr zumindest moderat nach oben gehen. Die Spannbreiten gehen im Sparkassen-Lager zum Ende des ersten Quartals von Dax-Ständen zwischen 6 200 und 7 000 Punkten.

Das Auftakt-Quartal gilt traditionell als wichtiges Indiz für den weiteren Erfolg des Gesamtjahres. Den meisten Optimismus strahlt dabei noch die Helaba aus. "Der Aktienmarkt ist nicht das Problem im Moment, sondern die Kreditmärkte sind es", sagt Chefstratege Markus Reinwand. Im Gegensatz zu vielen früheren Bullenmärkten, die von einem Konjunktureinbruch oftmals unvermittelt erwischt wurden, hat in der laufenden Phase der Aktienmarkt bereits sehr viel von den aktuellen negativen Nachrichten vorweg genommen.

Sichtbar wird dies an der Stimmung vieler internationaler Fondsmanager, die weitaus schlechter gegenüber Aktien ist als in den Abschwungphasen von 2001 und 2003. Trotz der wenig erfreulichen Nachrichten im Moment stellen viele Investoren schon wieder die Frage, wann der richtig Zeitpunkt für eine Rückkehr an den Aktienmarkt gekommen sei. "Der Aktienmarkt marschiert sechs Monate der Konjunktur vorweg und zeigt erfahrungsgemäß da auch seine stärkste Dynamik", sagt Reinwand.

Dirk Gojny sieht diese Phase indes noch nicht gekommen. Der Optimist von einst führt nun gemeinsam mit seinen Kollegen von der NordLB die Front der Pessimisten an, die auch in einem halben Jahr den Dax noch beim 6 200 Punkten sehen - und damit nicht allzu weit vom aktuellem Niveau entfernt. Bestenfalls defensive Pharma-Werte sollten Anleger derzeit kaufen, rät er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%