Rebecca Patterson
„Wir sind noch nicht aus dem Gröbsten heraus“

In den USA und Europa stehen wichtige politische Entscheidungen an. Im Interview spricht die Chefstrategin von JP Morgan Asset Management über ihre Empfehlungen für Anleger.

Frau Patterson, wann kommen die Börsen endlich wieder zur Ruhe?

Wir sind noch nicht aus dem Gröbsten heraus. Die nächsten zwei bis drei Monate werden darüber entscheiden, wie die nächsten zwei bis drei Jahre ausfallen werden.

Wie meinen Sie das?

In den USA und in Europa stehen wichtige politische Entscheidungen an. Wenn sich das neue, überparteiliche Superkomitee in Washington bis November nicht auf ein neues Haushaltspaket einigt und das Wachstum bis dahin weiter schwächelt, wächst das Risiko einer erneuten Herabstufung der USA durch die Ratingagenturen. Und in Europa muss eine Lösung für die Euro-Krise entwickelt werden. Wir nähern uns dem Scheideweg für die Märkte.

Was würde passieren, wenn die Politik sich nicht einigen kann?

Dann befürchte ich eine Abwärtsspirale: Fallende Kurse drücken die Vermögen der Menschen, sie konsumieren weniger, das wiederum trifft die Wirtschaft, die mehr Leute entlässt, was am Ende den Konsum noch einmal drückt.

Wie sieht die Welt aus Ihrer Sicht in zwei, drei Monaten aus?

Unser Basisszenario ist, dass es keine weitere Herabstufung des Ratings der USA geben wird und dass sich Europa so durchwurstelt. Die Politik mag zwar hinter der Entwicklung an den Märkten herhinken, aber sie hat begonnen zu handeln.

Rechnen Sie mit einer neuen Rezession in den USA?

Nein, die Wahrscheinlichkeit wird von unseren Investmentbankern bei rund 30 Prozent gesehen. Es ist eben nicht alles schlecht. Die Einzelhandelsumsätze halten sich ganz ordentlich, die Gewinnsituation der Firmen ist gut, China wächst weiter, und Japan erholt sich ziemlich zügig von der Katastrophe. Aus meiner Sicht sind wir nicht einmal in der Nähe einer Rezession.

Sie rechnen für Europa mit einer Lösung der Krise in den nächsten Monaten. Ist das realistisch?

Die Probleme müssen nicht sofort gelöst werden. Es reicht, wenn sie glaubwürdig angegangen werden.

Was halten Sie von der Idee der Euro-Bonds, bei der Europas Staaten gemeinsame Anleihen begeben?

Der Markt wäre begeistert, wenn es Euro-Bonds gäbe. Erstens würde das zeigen, dass die Staaten in Europa bereit sind, Souveränität aufzugeben, um den Euro zu retten. Aber vor allem gäbe es dann eine Alternative zu US-Staatsanleihen. Der Markt für Euro-Bonds hätte die nötige Größe und Liquidität, die beispielsweise Bundesanleihen nicht besitzen. Das würde zusätzliche Nachfrage kreieren, die die Refinanzierungskosten der Euro-Zone niedrig hielte.

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