Reformdruck sorgt für Euphorie
Türkei-Story stimmt immer noch

Mit türkischen Aktien sind Anleger im ablaufenden Jahr gut gefahren. Der Istanbuler Leitindex IMKB-100 kletterte seit Ende 2004 von 24 971 auf inzwischen fast 37 800 Zähler. Türkei-Länderfonds glänzen sogar mit einem Wertzuwachs von über 80 Prozent seit Jahresbeginn. Die meisten Analysten rechnen mit weiter steigenden Kursen.

ISTANBUL. Osman Birsen, Präsident der Istanbuler Börsengesellschaft, ist mit 2005 rundum zufrieden: „Das war unser drittes gutes Jahr in Folge.“ Das ist nicht zuletzt dem wachsenden Interesse ausländischer Anleger an türkischen Wertpapieren zu verdanken: „Allein in diesem Jahr sind 3,5 Mrd. Dollar ausländisches Kapital in den türkischen Aktienmarkt geflossen, 90 Prozent davon kamen aus den USA“, rechnet Börsenpräsident Birsen vor. „Wir registrieren wachsendes Vertrauen in den Markt“, sagt Osman Birsen.

Das liegt nicht zuletzt an der EU-Perspektive, die Anfang Oktober mit der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen bestätigt wurde. Dass der Beitritt, wenn er überhaupt zustande kommt, noch mindestens ein Jahrzehnt entfernt ist, stört die Anleger nicht, sagt Manfred Zourek, Fondsmanager des Espa Stock Istanbul bei der Ersten Sparinvest in Wien: „Die Beitrittsverhandlungen bieten wesentliche Rahmenbedingungen für die Reformen in der Türkei; was am Ende dieses Weges steht, Beitritt oder nicht, ist hierbei zweitrangig.“

Zumal auch die konjunkturellen und fiskalischen Rahmenbedingungen stimmen. Das Wirtschaftswachstum übertraf im dritten Quartal mit sieben Prozent deutlich die Erwartungen. Inflation und Zinsen liegen auf dem niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten. Und im Dezember sorgte die Ankündigung der Regierung, 2006 die Körperschaftsteuer von 30 auf 20 Prozent zu senken, für einen weiteren Kursschub. Auch die politischen Vorgaben gelten als gut: nach den kurzlebigen Koalitionen der 90er-Jahre regiert Ministerpräsident Tayyip Erdogan seit Ende 2002 mit einer stabilen Mehrheit. Doch auch die Istanbuler Börse ist kein fliegender Teppich. Droht nach drei Jahren Hausse 2006 am Bosporus eine Korrektur?

„Verschnaufpausen sind immer möglich, es wird sicher volatiler werden“, glaubt Fondsmanager Zourek. Weil die guten Rahmenbedingungen weiter intakt sind, rechnet er aber auch 2006 „mit einer erfreulichen Performance“, zumal der Markt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von elf (2006) immer nicht günstig ist. Neben den bereits 2005 gut gelaufenen Bankaktien rechnet Zourek 2006 mit einer wachsenden Attraktivität des Industriesektors.

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