Regierung will mit umfangreichen Reformen für transparentere Märkte sorgen – Analysten sehen nur langfristig Potenzial
Chinas Börsen haben Vertrauen verspielt

Chinas junge Börsen in Schanghai und Shenzhen, wo etwa 1 300 Firmen gelistet sind, schwanken zwischen Hoffen und Bangen. Die Hoffnung nährt sich aus zahlreichen Ankündigungen und Maßnahmen der Regierung, das regulatorische Umfeld und die Kapitalversorgung der erst 14 Jahre alten Börsen zu verbessern, Sorgen bereitet ein Blick auf die Kurse: Chinas Anleger haben zwei miserable Jahre hinter sich, in denen sie 145 Mrd. Dollar verloren.

PEKING/SCHANGHAI. Um das Vertrauen der Privatanleger zurück zu gewinnen, gab das höchste Gericht Chinas im Januar eine umfassende Liste bekannt, die Investoren besser gegen Kursmanipulationen und getürkte Firmenbilanzen schützen soll. Im Februar kündigte der Staatsrat, Chinas Kabinett, wichtige Reformen der beiden Kapitalmärkte für dieses Jahr an. Schließlich startete im Mai eine Wachstumsbörse in Shenzhen nach Vorbild der Nasdaq. Bald sollen Chinas 60 Millionen Kleinaktionäre auch über Fonds im Ausland spekulieren dürfen. Und ausländische Anleger erhalten immer besseren Zugang zu den lange Zeit rigoros abgeschirmten Märkten.

Dass trotz der Verbesserungen auch großes Bangen herrscht, hat gute Gründe. Die Bremsmanöver der Zentralregierung, die die heiß gelaufene Konjunktur mit administrativen Maßnahmen zu beruhigen versucht, verdüstern die Perspektiven und erinnern daran, wie stark die Rolle des Staates an Chinas Kapitalmärkten noch immer ist. Die Börsen in Shenzhen und Schanghai sind nicht selbstständig und Staatsfirmen werden bei Börsengängen immer noch krass gegenüber aussichtsreichen Privatfirmen bevorzugt. Der Staat ist Gesetzgeber, Marktteilnehmer und Kontrollorgan zugleich. „Manager, die nicht Mitglied der Partei sind und auch nicht bereit sind,der Partei beizutreten, haben keine Chance, in Schanghais staatlich dominierter Finanzindustrie in Spitzenpositionen zu gelangen“, sagt der Trierer Chinaexperte Sebastian Heilmann, der sich intensiv mit Chinas Börsen beschäftigt.

In diesem Umfeld blühen Korruption und Betrug. Eine Serie von Betrugsfällen, in denen frühere Anleger-Lieblinge wie das Pharma- Unternehmen Guangxia schamlos Gewinnzahlen schönten, hat bei den Gerichten im bevölkerungsreichsten Land der Erde zahlreiche Betrugs- und Schadensersatz-Verfahren ausgelöst. Schmerzlich mussten viele Anleger erfahren, dass ihr Einfluss auf Management-Entscheidungen gering ist und sie anfällig für Manipulation sind, weil Ministerien und Staatsfirmen auf zwei Drittel aller Aktien sitzen.

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