Reine Anleger eher unerwünscht
Anteile an Genossenschaftsbanken versprechen hohe Dividenden

Werbung machen die Volks-, Raiffeisen- und Sparda-Banken für ihre Anteilsscheine nicht. Und auch in einem Zeitungsartikel soll von den Dividenden, die meist zwischen vier und sieben Prozent liegen, besser nichts zu lesen sein.

„Für uns sind Genossenschaftsanteile eben keine reine Geldanlage“, sagt ein Bankensprecher. Dabei sind die Anteile durchaus attraktiv. Im Schnitt schütten die Banken laut dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) für das vergangene Jahr durchschnittlich 5,4 Prozent auf die Anlagesumme aus.

Damit liegt die Rendite fast zwei Prozentpunkte über der von zehnjährigen Staatsanleihen. Zudem werden die Ausschüttungen steuerlich nicht anders behandelt als Dividenden von Aktien. Die Hälfte der Dividende ist steuerfrei, der Rest muss mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden.

Bei einigen Instituten liegt die Dividende sogar noch deutlich darüber. Die Volksbank Lippstadt kommt beispielsweise auf 6,5 Prozent, die in Wittingen-Klötze bei Wolfsburg auf sechs Prozent. Die Sparda-Bank West in Düsseldorf, immerhin das fünftgrößte Institute unter den über 1 300 Mitgliedern des BVR, zahlt 5,95 Prozent aus.

Auf Kundenfang gehen die Institute mit diesen Angeboten allerdings bewusst nicht. Denn aus den Anteilen der Mitglieder setzt sich das Kernkapital der Banken zusammen. Und da es nach dem Genossenschaftsgesetz Ziel der Banken ist, ihre Anteilseigner zu fördern, wird längst nicht jeder potenzielle Kunde in den Kreis aufgenommen.

„Wir wollen unsere Kunden vor Ort fördern und gestatten diesen, einen oder mehrere Anteile zu erwerben“, sagt Berthold Reinartz, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank West. Reine Anleger, die mehrere hundert Kilometer entfernt wohnen, sind in diesem Konzept eher unerwünscht. Wer Anteile erwerben will, muss daher meist seinen Wohnsitz oder Arbeitsplatz in der Nähe der Bank haben und ein Konto bei dem Institut führen. Auch die anderen Genossenschaftsinstitute verfahren meist nach demselben Prinzip.

Und noch weitere Regeln machen den Anlegern das Leben schwer. So ist die maximale Höhe der Einlage oftmals begrenzt. Bei der Volksbank Lippstadt liegt die Obergrenze bei 500 Euro, bei der Sparda-Bank West 280 Euro darüber. Nur Kunden, die dem Institut über einen langen Zeitraum treu bleiben, dürfen mehr anlegen. Und mitunter können zwischen Kündigung der Kundenbeziehung und Rückzahlung der Einlagen mehrere Monate vergehen.

Zudem müssten vor allem Kunden, die einen Kredit in Anspruch nehmen wollen, bei einigen Genossenschaftsbanken zunächst Anteile erwerben, sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung. Aus der Anleger-Kür werde somit eine Pflicht. Und auch beim Geldabheben stehen den Kunden anderer Privatbanken oft meist mehr kostenlose Automaten zur Verfügung. Diese zusätzlichen Gebühren bei den Genossen können die Dividende leicht wieder aufzehren.

Interessant sind Genossenschaftsbanken dennoch. Vor allem für Kunden, die häufig in der Region um das Institut Geld abheben. Für die lohnen sich dann auch die Anteile. Zudem bieten die meisten Genossenschaftsbanken kostenlose Konten und oftmals Kreditkarten an. Und sogar bei einigen Versicherungen oder Handy-Verträgen gibt es für Mitglieder Rabatte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%